Fasnacht

Buntes Treiben in Basel

Text: Kristina Morf / Video: Safak Avci

Ob Urknall oder Morgestraich, die Fasnacht wird in fast allen Regionen der Schweiz gefeiert. Allen voran in Basel: Mit ihrer Vielfalt und Grösse stiehlt diese Fasnacht allen die Schau. Lesen Sie, was die Basler Fasnacht so besonders macht, und hören Sie vom Duo «Stroossewischer», wie das mit den Schnitzelbänken so funktioniert.

Ab heute befindet sich Basel für eine kurze Weile im Ausnahmezustand: «Die drei scheenste Dääg», die Fasnacht, haben um 4.00 Uhr früh mit dem Morgenstreich begonnen. Während der nächsten 72 Stunden beherrschen Maskierte die Stadt. Entgegen weit verbreitetem Glauben rührt die Tradition der Fasnacht nicht von der Vertreibung des Winters her, sondern von der Fastnacht, dem Vorabend der Fastenzeit. Dann fanden nämlich regelmässig Gelage statt, bei denen die während der nächsten 40 Tage verbotenen Speisen verzehrt wurden. Und auch wenn die religiöse Enthaltsamkeit heute nicht mehr so weit verbreitet ist, das ausgelassene Feiern hat sich gehalten.
 
Mit spitzer Zunge
In Basel gibt es verschiedene Gruppierungen, die sich aktiv am bunten Treiben der Fasnacht beteiligen, einige davon sind die Schnitzelbänke. In gesungenen Reimen und oft mit Instrumentalbegleitung nehmen sie das vergangene Jahr satirisch unter die Lupe. Die Schnitzelbänkler unterstützen ihre Sujets mit Helgen (gemalte Bilder), welche die Sujets geschickt einleiten, ohne jedoch die Pointe zu verraten. Erklären, was ein Schnitzelbank genau ist, können die Wortkünstler des Schnitzelbanks «Stroossewischer» aber selber am besten.
 

Es gibt zwar eine Vorfasnacht, während der schon die ersten Auftritte stattfinden, aber so richtig beginnt die Fasnacht mit dem Morgenstreich. Dieser findet am Montag nach Aschermittwoch statt, wenn andernorts die Fasnacht schon vorbei ist. Um 4.00 Uhr morgens werden dann in der Basler Innenstadt alle Lichter gelöscht – wer dies nicht tut, wird gerügt. Auch das Fotografieren mit Blitzlicht ist tabu. Das einzige Licht kommt von rund 200 grossen Zuglaternen, den Steckenlaternen der Vorträbler (siehe Glossar) und den Kopflaternen auf den Cliquenmasken.

Nach dem Glockenschlag der Martinskirche geben die Tambourmajoren das Kommando «Achtig! Morgestraich! Vorwärts, marsch!» und die Cliquen setzen sich musizierend in Bewegung. Bis zum Morgengrauen spielen die Fasnachtsgruppen in den Gassen – zwischendurch verpflegt man sich traditionsgemäss mit Mehlsuppe und Zwiebel- oder Käsewähe. Begonnen hatte die Tradition des Morgenstreichs im Jahr 1833, als sich ungefähr 150 Fasnächtler dem Verbot gegen die Strassenfasnacht widersetzten und mit Trommeln und Pechfackeln durch die Strassen zogen.

Die Basler Fasnacht ist, wie viele andere, stark von der Musik geprägt und sie ist auch der Grund, weshalb die Region so viele aktive Musikerinnen und Musiker zählt. Die Pfeifer und Tambouren, welche den Morgenstreich beherrschen, zeugen von der militärischen Geschichte Basels. Ein ehemaliger Militär-Tambour Napoleons veröffentlichte Anfang des 19. Jahrhunderts ein Trommellehrbuch, welches die Tambouren bis heute begleitet. Über die Jahre wurde der militärische Einfluss auf die Musik immer schwächer, die Märsche wurden anspruchsvoller und virtuoser. Ihr Können stellen die Musizierenden auch in Wettbewerben auf die Probe. Dass die 64 Pfeifer- und Tambourengruppen an der Basler Fasnacht sämtliche Stücke (durchschnittlich etwa 20 Märsche) auswendig spielen, ist Ehrensache.

Zu Fuss und zu Wagen durch die Stadt
Der Cortège, also der Fasnachtsumzug, findet am Montag- und Mittwochnachmittag statt. Hier bekommt man als Zuschauer viel zu sehen: Etwa 12 000 Maskierte nehmen am Cortège teil und parodieren verschiedenste Themen. Dabei sind aber nicht nur die Pfeifer- und Tambourencliquen, sondern auch Guggenmusiken. Heute sind das Blechmusiken, früher gab es auch Handharmonika- und Mandolinengruppen, welche zur musikalischen Vielfalt der Fasnacht beitrugen. Weiter gibt es Wagencliquen, die Räppli (siehe Glossar), Süssigkeiten, Orangen oder Mimosen, die Basler Fasnachtsblume, in die Menge werfen.

Beliebte Standorte, um sich den Cortège anzusehen, sind die Mittlere Brücke oder der St. Alban-Graben. Wenn der Umzug um etwa 16.00 Uhr vorbei ist, gönnen sich die Fasnächtler eine wohlverdiente Pause, bevor sie dann am Abend wieder losziehen zum «Gässle». Am Mittwochabend bietet die Basler Fasnacht noch ein weiteres Highlight, die «Schääsede»: Die Chaisen, von Pferden gezogene Halbkutschen, drehen ab 18.00 Uhr eine besondere Ehrenrunde und läuten das Ende der Fasnacht ein.

Haben Sie Lust, an der Basler Fasnacht mit dabei zu sein? Dann finden Sie hier die wichtigsten Begriffe, nützliche Informationen und Tipps.

Glossar zur Basler Fasnacht

  • Blagette: Abzeichen, das zur finanziellen Unterstützung der Fasnacht. verkauft wird - sie zu tragen ist Ehrensache. Das Thema der Plakette bildet auch das Motto der Fasnacht.
  • Charivari: Französischer Ausdruck für individuelle Kostümierung.
  • Clique: Oberbegriff für alle an der Fasnacht mitwirkenden Gruppierungen.
  • Gässle: Musizierend durch die Gassen marschieren, ohne festgesetzte Route.
  • Helge: Baseldeutscher Ausdruck für Bild. An der Fasnacht vor allem Schnitzelbank-Bilder.
  • Intrigieren: Als Maskierter einem Unmaskierten humoristisch die Leviten lesen.
  • Määlsuppe: Traditionelle Stärkung vor und nach dem Morgenstreich.
  • Larve: Maske, die das Gesicht verdeckt.
  • Rädäbäng: Basler Fasnachtsführer in Heftform. Die teilnehmenden Gruppierungen stellen ihre Sujets vor.
  • Räppli: Baseldeutscher Ausdruck für Konfetti.
  • Schyssdräggziigli: Kleine, spontan zusammengewürfelte Gruppe, die trommelt und pfeift und nicht am Cortège teilnimmt.
  • Vortrab: Der Vortrab schreitet der Clique voran und bahnt den Weg durch die Strassen und Gassen. Der Vortrab ist ebenfalls kostümiert, spielt aber kein Instrument. Am Cortège verteilt er zudem den Zeedel.
  • Waggis: Einerseits traditionelle Fasnachtsfigur, andererseits typisches Fasnachtsgetränk, gemischt aus Weisswein und Tonic.
  • Zeedel: Papierbogen, auf dem in Dialektform das Sujet aufgearbeitet wird.
 

Links
Basler Fasnachts-Comité
www.fasnachts-comite.ch

Schnitzelbängg-Comités:
www.schnitzelbankbasel.ch
www.schnitzelbangg.ch
www.vsg-basel.ch
www.bebbi-baengg.ch
www.baengg-fir-basel.ch

Fasnacht in der ganzen Schweiz
www.myswitzerland.com
 

Kategorie:

kultur, angetroffen

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