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Cyrille Berthod – Bergretter bei Air-Glaciers

Text: Nathalie Zeller / Bilder: Jürg Waldmeier

Als Bergführer und Skilehrer täglich selber mit den Gefahren am Berg konfrontiert, hat sich Cyrille Berthod zum Rettungssanitäter weitergebildet. Heute arbeitet er regelmässig als Bergretter bei Air-Glaciers. Lesen Sie hier, warum die Berge nach wie vor sein Leben sind, obwohl er bei seinem Beruf schon öfter dem Tod in die Augen geschaut hat.

Welches war Ihre kritischste Situation in den Bergen?
(Überlegt) Ich würde sagen, die kritischste ..., wissen Sie, das kann sehr variieren, denn einmal im Jahr bin ich mit einer kritischen Situation konfrontiert. Wenn man tagtäglich draussen ist, gibt es nicht nur eine spezifische kritische Situation: Das kann ein Steinschlag sein, eine Gletscherspalte, die sich während des Skifahrens öffnet, eine Lawine, die wir bei einer Bergtour selber auslösen – privat oder mit Kunden – und eigentlich habe ich schon alle diese Situationen erlebt.

«Einmal im Jahr bin ich mit einer kritischen Situation konfrontiert.»

Sind Sie schon einmal in eine Lawine gekommen?
Ja, ich bin schon in eine Lawine gekommen, schon in eine Gletscherspalte gefallen, schon von Steinen getroffen worden (lacht). Obwohl ich immer alle diese Situationen als sicher eingestuft hatte, lebt man, wenn man täglich in den Bergen ist, mit einem Restrisiko. Auch wenn man alles sorgfältig plant und sich seriös verhält.

Mussten Sie die Hilfe von Air-Glaciers für sich oder Kunden schon einmal beanspruchen?
Hm, das ist eine gute Frage. Persönlich habe ich – warten Sie, ich muss nachdenken – nie einen Helikopter für mich beansprucht. Aber ein Freund von mir hat sich einmal beim Eisklettern den Knöchel gebrochen und benötigte Hilfe. Er wurde mit dem Helikopter ins Tal geflogen.

«Ich bin schon in eine Lawine gekommen, schon in eine Gletscherspalte gefallen, schon von Steinen getroffen worden.»

Was ist Ihre Rolle bei einer Bergrettung?
Als ausgebildete Bergführer und Skilehrer kommen wir Bergretter primär dann zum Einsatz, wenn Menschen in unwegsamem Gelände oder bei sehr schlechten Wetterbedingungen verunfallen. Der Helikopter kann dann oft nicht landen, so dass wir uns abseilen müssen. Solche Situationen können auch für das Rettungsteam gefährlich sein. Als Profis am Berg erreichen wir die Unfallstelle schneller als ein Arzt. Wir können sofort Erste Hilfe leisten und den Arzt über den Zustand des Patienten informieren.

Cyrille Berthod ist Bergretter. Jeweils zwei stehen bei Air-Glaciers permanent bereit.

Welche Bedeutung hat Air-Glaciers für das Wallis?
Die Bedeutung von Air-Glaciers für die Region ist gross. Zuallererst sind die Menschen hier sehr aktiv und oft draussen, das geht vom Pilzen bis zum Bergsteigen. Das Wallis ist zudem eine sehr touristische Region. Es gibt viele Angebote für unsere Gäste – und natürlich ist es ein grosser Vorteil, wenn man ihnen auch im Unglücksfalle Sicherheit und Komfort garantieren kann – und auch die Kapazitäten hat, um sie zu repatriieren.

Alles klar? Los geht’s!

Wie reagieren Ihre Kunden, wenn man eine Tour abbrechen muss?
Die Kunden sind grundsätzlich verständnisvoll. Wenn man einen Bergführer engagiert, macht man das ja primär wegen der Sicherheit. Zudem sind sich die meisten der Risiken bewusst und verstehen daher auch unsere Entscheide, die wir gut begründen und erklären können. In den meisten Fällen, in denen ich eine Tour abbrechen musste, wären die Kunden schon eine halbe Stunde früher umgekehrt.

«Ich bin in den Bergen gross geworden und lebe noch immer hier – von daher wüsste ich nicht, was ich sonst tun sollte!»

Hat Ihre Frau keine Angst, dass Ihnen etwas passiert bei diesen vielen Touren?
Meine Frau hat immer Angst (lacht). Ich bin mir der Gefahren auch sehr bewusst und habe diese immer im Hinterkopf. Deshalb agiert man im Berg auch vorsichtig.

Aber die Zukunft? Das sind nach wie vor die Berge?
Klar, die Zukunft sind die Berge! Hier fühle ich mich wohl. Ich bin in den Bergen gross geworden und lebe noch immer hier – von daher wüsste ich nicht, was ich sonst tun sollte!

Die Air-Glaciers SA wurde 1965 von Bruno Bagnoud, der auch heute noch federführend ist, gegründet. Das zweitgrösste Helikopterunternehmen der Schweiz mit Hauptsitz in Sitten beschäftigt rund 150 Mitarbeiter und verfügt über 20 Helikopter und 7 Flugzeuge. Weitere Stützpunkte befinden sich in Genf, La Chaux-de-Fonds, Lausanne, Collombey, Leysin, Saanen, Gampel und Lauterbrunnen. Die Air-Glaciers führt Rettungs-, Transport-, Rund-, Schulungs- und Taxiflüge durch.
www.air-glaciers.ch
 

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