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«kleinbasel» – Blick hinter die Kulissen

Text: Nathalie Zeller / Video: Safak Avci / Bilder: Jürg Waldmeier

Exklusiv für MyCard gewährt Tanja Klein einen Blick hinter die Kulissen: Im Atelier in Basel finden die Konzeptions- und Designarbeiten für alle Kundensegmente statt. Schauen Sie rein:

«kleinbasel» betreut auch Handels- und Corporate-Fashion-Kunden, aktuell wird Berufsbekleidung für die Mitarbeiter des Landesmuseum Zürich realisiert. Was sind die Unterschiede und Herausforderungen bei der Arbeit in den unterschiedlichen Kundensegmenten? Lesen Sie weiter!

Zu Ihren Handelskunden zählen zwölf Läden. Wie muss man sich diese Zusammenarbeit vorstellen?
Die Handelskunden kaufen ab den Musterkollektionen. Dafür wird jedes Teil in Grösse 38 (Grösse M) produziert. Mit dieser Kollektion gehen wir an den Salon Zürich, eine Messe, an der auch andere Labels teilnehmen. Hierhin laden wir unsere Kunden ein und an diesem Anlass können sie bestellen. Ein Vorteil an unseren Kollektionen ist sicher, dass man gut nur einen Teil herausnehmen kann, der in sich geschlossen super funktioniert und toll aussieht. Man muss nicht die ganze Kollektion übernehmen.

«Mit meinem Tessiner Produzenten telefoniere ich täglich und mehr als mit sonst jemandem in meinem Leben (lacht).»

Wie viele Stücke produziert «kleinbasel»?
Pro Saison gibt es ungefähr 700 Kleidungsstücke und etwa 250 Taschen.

Das ist viel!
Nein, das ist nicht viel! Manor produziert von einer Lederjacke 10 000 Stück. Sie müssen sich das so vorstellen: Ich mache ein Modell in vier Farben und vier Grössen, das gibt bereits 16 Teile. Total produzieren wir pro Saison ungefähr 30 Modelle, welche mal Farben und Grössen multipliziert werden. Minimal stellen wir von einem Modell neun Stücke her, maximal 30. Wenn wir 30 machen, ist das sehr viel. Im Schnitt machen wir 20 Stücke pro Modell. Das ist wenig – auch für die Produzenten. Eigentlich ist es für diese überhaupt nicht interessant, denn sie müssen ständig die Nähmaschine neu einfädeln und neue Stücke zuschneiden. Sie würden gerne wie bei Manor 10 000 Mal dasselbe machen. Diese Tatsache verteuert das Ganze natürlich extrem! Der Taschenmacher im Tessin dreht manchmal fast durch, wenn ich mal wieder nur eine Tasche bestelle.

Die Zusammenarbeit mit Ihren Produzenten ist gut?
Ja, sehr! Wir arbeiten schon jahrelang zusammen. Mit dem Tessiner schon seit 15 Jahren. Mit ihm telefoniere ich täglich und mehr als mit sonst jemandem in meinem Leben (lacht).

Die Unterstützung des Werkplatzes Schweiz ist heute selten. Wie gehen Sie mit den entsprechenden Kosten um?
Ich frage mich manchmal, was die Leute an unseren Preisen teuer finden. Wenn Sie eine entsprechende Tasche von einem bekannten Label kaufen, bezahlen Sie denselben Preis, die Tasche ist aber in China gefertigt. Dasselbe gilt für einen Mantel. Natürlich kann ich mir auch nicht jeden Tag ein solches Kleidungsstück leisten, aber darum geht’s ja nicht. Es geht darum, sich das Produkt, dessen Material und Fertigung anzuschauen sowie das Know-how, das dahinter steckt, zu schätzen. Bei grossen Marken kostet der Mantel im Einkauf vielleicht CHF 160.– bis er in Italien ist, der Rest des Preises geht ins Marketing und den Brand. Dies macht einen grossen Unterschied zu «kleinbasel», aber er ist eher undurchsichtig – und viele Leute interessieren sich halt einfach nicht für die Hintergründe.

Sie machen auch Berufsbekleidung. Was sind hier die grössten Unterschiede in Ihrer Arbeit verglichen mit den Fashion-Kollektionen?
Der grösste Unterschied besteht darin, dass man oft schnell in der Projektleitung drin ist, denn diese Projekte sind extrem komplex. Will ein Kunde zum ersten Mal Berufsbekleidung einführen, hat er oft keine Ahnung, was er machen will und worauf er achten muss.

Ab August 2016 zeigt sich das Team des Landesmuseums Zürich im neuen Corporate-Fashion-Look, von Tanja Klein. Klassische Eleganz wird gemischt mit frechen Accessoires: Einstecktücher, deren Farben die Vorlage für die Schuhfarbe geben, Hosenträger für ihn, Gurt für sie.
 

Aktuell arbeiten Sie für das Landesmuseum Zürich. Wie sind Sie zu diesem Auftrag gekommen?
Das Landesmuseum Zürich hat einen Wettbewerb ausgeschrieben, zu welchem ich eingeladen wurde. Dies neben Big-Playern aus der Branche, die als Generalunternehmer in diesem Bereich arbeiten. Bei den BVB (Basler Verkehrsbetrieben) habe ich ausschliesslich das Design erstellt und die Fachberatung beim Kunden übernommen. Die Produktion lief über einen Big-Player, das hätten wir gar nicht stemmen können. Leider hat dieser aber auch die Marge erhalten, denn die holt man bei den Stückzahlen ab, nicht beim Design. Bei einem Grossauftrag, bei welchem 700 Leute eingekleidet werden und jede Person fünf Hosen und Hemden braucht ist das schon sehr interessant. Zudem kommt der Kunde jährlich wieder, dann müssen Sie den Auftrag nur noch aus der Schublade ziehen. Beim Landesmuseum Zürich dürfen wir alles machen, vom Design über die Entwicklung bis und mit der Produktion der Kollektion, das ist sehr schön. Es müssen etwa 50 Leute eingekleidet werden, das schaffen wir gerade noch von der aktuellen Kapazität her.

Wie gewinnen Sie diese B2B-Kunden?
Wir haben die Dienstleistung auf unserer Webseite, aber zur Zeit läuft noch alles über mich, über persönliche Kontakte und Referenzen, da könnte ich noch keine meiner Mitarbeiterinnen schicken. Ich habe früher im Bereich Corporate Fashion gearbeitet und kenne mich daher sehr gut aus, gehe an die Briefings und erkenne schnell, wo die Bedürfnisse und Herausforderungen liegen.

«kleinbasel» wurde in die textile Designsammlung des Landesmuseums Zürich aufgenommen. Was heisst das?
Das heisst, dass diese Stücke nun im Archiv liegen (lacht). Spass bei Seite: Die Kuratorin hat mich angerufen, um Stücke angefragt sowie um eine Differenzierung zu ähnlichen Schweizer Labels, welche aber auch schon in der Designsammlung vertreten sind. Ich fühle mich schon sehr geehrt!

Sind Sie auf der Suche nach attraktiver Bekleidung? Schauen Sie rein! Für Sie als urbane, modebewusste Frau persönlich oder dann auch für Ihr Team oder Ihre Firma: www.kleinbasel.net

Kategorie:

einkaufen, freizeit, mode, story

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