UNTERWEGS MIT URSINA HALLER

«Es war in jeder Hinsicht eine wilde Fahrt»

Text: Nathalie Zeller / Bilder: Jürg Waldmeier

Im Engadin aufgewachsen, war die Natur ihr Spielplatz, ihr Alltag die Berge. Die Ex-Profi-Snowboarderin Ursina Haller erzählt MyCard, was für sie den Glamour von St. Moritz ausmacht und warum sie Politikwissenschaften studiert hat. Folgen Sie Ursina Haller ins Engadin.

Kann man sich als Kind dem Wintersport entziehen, wenn man in einem Skiort aufwächst?
Es ist sicher schwieriger, sich dem Wintersport zu entziehen. Ich wurde mit zweieinhalb Jahren zum ersten Mal auf die Ski gestellt. Von daher war ich sicher etwas prädestiniert, um den Wintersport auch später weiterzuverfolgen. Auch in meinem Freundeskreis kenne ich eigentlich niemanden, der nicht eine Wintersportart ausübt.

Warum Snowboard und nicht Ski?
Snowboarden hat mich von Anfang an fasziniert. Es ist ein Sport, in welchem man sich bewegungstechnisch austoben kann und auch die spielerische Komponente nicht zu kurz kommt. Daher war schnell klar, dass Freestyle Snowboard meine grosse Passion ist.

Was bedeutet Ihnen St. Moritz?
St. Moritz war für mich schon immer eine kleine Metropole im Engadin, welche eine Vielfalt in sich vereint, die mich fasziniert. Es ist ein Ort, an welchem es selbst für uns Einheimische immer wieder Neues zu entdecken gibt. Es ist ein geschichtsträchtiger Ort, 1928 und 1948 fanden die bisher einzigen Olympischen Spiele in der Schweiz statt, und schon lange gibts den White Turf. St. Moritz ist aber auch ein Paradies für Freestyle Snowboarder. Es ist so facettenreich, dass ich immer wieder gerne hierherkomme und geniesse es, jedesmal auf eine kleine Entdeckungsreise zu gehen.

Der Ort steht auch für Reichtum, Luxus, Promis. Haben Sie schon mal einen Promi entdeckt?
Ich war noch nie auf Promijagd, obwohl das Potenzial sicher da wäre. Ich verbinde mit St. Moritz vielmehr meine Freunde aus der Kindheit und der Schulzeit. Mit ihnen treffe ich mich auch um etwas zu trinken nach dem Snowboarden. Dieser Aspekt ist für mich wichtiger als die Promis.

«Ich war noch nie auf Promijagd, obwohl das Potenzial sicher da wäre.»

Als Sie mit Ihren Eltern von St. Gallen ins Engadin umzogen, haben Sie Rätoromanisch gelernt. Was bedeutet Ihnen diese Sprache?
Ich spreche nach wie vor jeden Tag Rätoromanisch, ich schreibe Texte auf WhatsApp in Rätoromanisch – die Sprache ist ein grosser Teil meines Lebens und meiner Identität und das wird auch in Zukunft so bleiben.

Sie sind seit bald einem Jahr nicht mehr im Profisport tätig. Wie lautet Ihre Bilanz?
Meine Bilanz aus all den Jahren im Snowboard- und Profisport ist sicher, dass es in jeder Hinsicht eine wilde Fahrt war. Ich durfte viele Erfahrungen und Erlebnisse sammeln, die man sonst wohl nicht einfach so macht. Es war eine Zeit, welche ich gegen nichts auf der Welt tauschen möchte. Eine grossartige Zeit, auf welche ich immer gerne zurückblicken werde und aus welcher ich auch sehr, sehr viel für mein Leben mitnehme!

Haben Sie in Ihrer Zeit als Profisportlerin einen Ausgleich gebraucht oder war Snowboard Ihr ganzes Leben?
Snowboard war ein grosser Teil meines Lebens. Spitzensport vereinnahmt einen sehr, da bleibt nicht mehr viel Zeit für anderes. Nichtsdestotrotz war mir immer wichtig, dass ich daneben anderes machen und meine Interessen verfolgen kann. Gerade als Spitzensportler tut es gut, einen Ausgleich zu haben. Sich bewusst zu sein, dass es noch anderes gibt als nur die kleine Welt des Spitzensports. Entsprechend habe ich immer darauf geachtet, dass ich daneben mein Studium, andere Sportarten oder auch Reisen machen kann.

Die Snowboardszene hat die Wintersportmode stark beeinflusst. Wie wichtig ist Ihnen Mode?
Ich interessiere mich durchaus für Mode, sie ist ein Teil meines Lebens. Mode ist, genau wie Snowboarden, etwas sehr Kreatives, das ich sehr gerne habe. Es ist wie ein Hobby.

Finden Sie für sich in St. Moritz die richtigen Kleider?
Tja (lacht), das ist eine gute Frage! Ja, auf jeden Fall, in St. Moritz hat es ganz verschiedene Geschäfte. Es ist ein prima Ort, um sich inspirieren zu lassen, was in der Modewelt so läuft. Das finde ich toll und mache ich auch gerne.

«Capuns gab’s schon in Neuseeland, Colorado – überall.»

Welches ist Ihr liebstes Bündner Gericht?
Capuns! Dieses Gericht habe ich schon überall auf meinen Snowboardreisen für meine Freunde und Teamkollegen gekocht. Das gab’s schon in Neuseeland, Colorado – überall. Es ist mein absolutes Lieblingsgericht, das ich für mich und meine Freunde sehr gerne koche.
 
Ihr Vater ist der Direktor des Schweizer Nationalparks. Welchen Einfluss hat das auf Ihre Einstellung zur Natur?
Der Beruf meines Vaters als Wildbiologe hat meine Einstellung zur Natur sicher geprägt. Er hat unserer Familie mitgegeben, dass es toll ist, wenn man viel Zeit im Freien verbringen kann. Dies war für mich immer eine grosse Motivation, den Weg als Snowboarderin zu gehen, denn in kaum einem anderen Beruf ist man den ganzen Tag draussen und hat das Glück, in einer solch schönen Umgebung seinen Alltag zu verbringen.
 
Aus dem Bündnerland kommen zwar einige bekannte Politikerinnen und Politiker, doch über Politik im Engadin hört man wenig. Wie kamen Sie dazu, Politikwissenschaften zu studieren?
Das war ein Interessenstudium. Mich hat schon immer interessiert, wie die Gesellschaft funktioniert, wie wir uns als Gemeinschaft organisieren und wie sich ein möglichst friedliches Zusammenleben gestalten lässt. Dadurch war dieses Studium naheliegend.
 
Sport und Politik lassen sich nicht trennen, Sie wurden mehrfach auf Sotschi angesprochen. Hat die Sportlerin auf diese Verquickung den gleichen Blick wie die Politologin?
Sotschi war diesbezüglich eine Herausforderung. Es gehört zu den zentralen Fähigkeiten eines Spitzensportlers, sich an einem so wichtigen Event wie den Olympischen Spielen nur auf die eigene sportliche Leistung zu konzentrieren. Man hat keine Zeit, an den gesamten politischen Hintergrund zu denken und diesen zu hinterfragen. Aber klar, als Politikwissenschaftlerin habe ich eine andere Perspektive auf diese Frage als Ursina, die Snowboarderin.
 
Wohin geht die Zukunft? Und welche Rolle wird das Engadin dabei spielen?
Das ist noch offen, das wüsste ich auch gerne (lacht). Ich hoffe, dass ich weiterhin oft in den Bergen anzutreffen bin. Ich habe im Frühling mein Studium beendet und werde im kommenden Winter sicher oft auf dem Snowboard stehen. Grundsätzlich möchte ich aber im Journalismus Fuss fassen und freue mich auf die neue Herausforderung.

http://ursinahaller.tumblr.com

Kategorie:

freizeit, sport, story

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