UNTERWEGS MIT «-MINU»

«Absolutes Highlight ist für mich, dass man den Rhein entdeckt hat»

Text: Hugo Vuyk / Bilder: Jürg Waldmeier

Nahezu jeder in Basel kennt «-minu». Dass der Journalist, Autor und TV-Moderator, der seit 50 Jahren in der Stadt wirkt, mit bürgerlichem Namen Hans-Peter Hammel heisst, weiss hingegen kaum ein Basler spontan. Wie auch immer – «-minu» gehört zu den ganz grossen Kennern der Stadt am Rheinknie.

Journalisten brauchen eine kritische Distanz zu dem, worüber sie berichten, doch wer seit einem halben Jahrhundert über die Stadt schreibt, wird die Stadt auch lieben. Wie würden Sie Ihr Verhältnis zur Stadt beschreiben?
Ich bin absolut der Ansicht, dass Journalisten eine kritische Distanz beim Schreiben walten lassen sollen – aber ich bin ja nicht nur Schreiber. Ich bin Basler. Und liebe diese Stadt. Die kritische Distanz habe ich, wenn ich wieder in Italien lebe, in Rom und auf der Halbinsel Monte Argentario – das sind sieben Monate im Jahr. Aus Distanz sieht man die Fehler der Heimatstadt etwas milder, weil man bald einmal merkt: Die Fehler triffst du überall auf der Welt an. Es wiederholt sich alles. Auch die Fehler. Aber ich glaube, die Distanz zur eigenen Stadt tut gut – und relativiert im Urteil gegenüber der eigenen und anderen Städten vieles.

Was schätzen Sie am meisten an Basel?
Ich habe in Paris gelebt, lebe in Rom. Basel habe ich stets als weitaus liberaler, ja auch internationaler empfunden als andere Städte. Wir sind hier am Dreiländereck und haben Europa schon immer gelebt.

Für Auswärtige sind die Animositäten, die sich zwischen Stadt und Landschaft ab und zu abspielen, nicht einfach zu verstehen. Wo finden sich die Bewohner der beiden Halbkantone?
Ganz einfach: beim Fussball. Im Stadion, wenn der FCB spielt, sind alles Basler. An der Fasnacht gilt das übrigens auch.
 

«Im Stadion, wenn der FCB spielt, sind alle Basler. An der Fasnacht gilt das übrigens auch.»

Über Kantons- und Landesgrenzen hinaus finden sich die Menschen wohl auch gastronomisch. Wie charakterisieren Sie als Kochprofi das kulinarische Angebot in Basel und Umgebung?
Basel hat sicherlich das interessanteste Angebot an guter, neuer, aber auch traditioneller Küche. Dabei gibt es nicht die eigentliche Basler Küche, sondern wieder dieses Dreiland-Gemisch, das unseren Menüplan prägt. Basel hatte schon Michelin-Sterne, wie die Grenzstadt Genf übrigens auch, als in vielen Teilen der Schweiz noch «Gschnätzlets» als das A und O der Haute Cuisine zelebriert wurde.

Mödeli in der Küche scheinen Ihnen ein Gräuel zu sein, schliesse ich aus «Das Kürbis-Ingwer-Süppchen und andere tolle Rezepte». Wie lang ist Ihre Liste an Restaurants, die sich den vordergründigen Trends widersetzen?
Nun, ich bin ein neugieriger Esser und neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen. Wenn ich aber traditionelle Küche geniessen will, muss ich heute im Badischen essen gehen. In Basel sind es das «Schützenhaus», Lotti im Kleinbasler «Torstübli» oder – hört, hört! – der Türke im «Marmaris», der die Schweizer Traditionsküche pflegt.

«Ich habe hier in Basel meine Wurzeln. Deshalb könnte ich mir keinen anderen festen Wohnsitz vorstellen. Ich bin in Basel daheim!»

Frohnaturen wie der in Ihren Geschichten erwähnte Onkel Alphons sagen Ihnen zu. Ihre Kolumnen können aber auch ordentlich morbid sein und enden hin und wieder mit Mord und Schierlingsbecher. Zwei Seelen in einer Brust?
Ich glaube, dass die schwarze Seele in mir überwiegt. Ich liebe es zu weinen. Ich liebe es aber auch, Gänsehaut zu haben. Und vor allem liebe ich das, was die Engländer ausmacht. Und das sie so wunderbar zelebrieren: black humour.

Welchen Charakter hat Basel?
Basel oder eigentlich die Basler zeichnen sich durch ihre Grosszügigkeit aus, durch ihre Offenheit und ihr liberales Denken – die Bebbi sind zwar sparsam, geben aber mit offenen Händen Geld für gute Zwecke oder Kunst aus. Auch das ist typisch für die Stadt – das Mäzenatentum ist einzigartig.

In «Hallo im Tram» wundern Sie sich über den Jugendlichkeitswahn vieler Leute. Die Stadt Basel scheint in den Augen des Auswärtigen Jung und Alt zumindest architektonisch gut unter einen Hut zu bringen. Wie lautet diesbezüglich das Urteil des Eingesessenen – geht der Turm von Roche schon zu weit?
O nein! Ich liebe zwar die Altstadt, aber ich bin stolz auf unsere moderne Architektur, auf den Novartis-Campus, auf die jungen Architekten, welche hier von den Altmeistern Diener oder Herzog & de Meuron geschult wurden. Ich hätte eigentlich lieber den geschwungenen Roche-Turm gehabt – jetzt wirkt er etwas isoliert. Das wird sich aber bessern, wenn man ihm noch ein paar hohe Schwestern dazustellt. Da bin ich absolut dafür.

Sie leben in Basel, Adelboden und Italien – was lässt Sie Ihren Wohnsitz am Rheinknie behalten?
Ganz klar, ich bin gerne in den anderen Orten. Aber ich habe hier in Basel meine Wurzeln. Deshalb könnte ich mir keinen anderen festen Wohnsitz vorstellen. Ich bin in Basel daheim!

Ein Blick zurück auf 40 Jahre als Kolumnist in Basel: Wie haben sich Stadt und Landschaft verändert? Was ist besser geworden, was vermissen Sie heute?
Die Stadt hat sich wie alles verändert. Ich vermisse mitunter, dass man in den Fünfziger- und Sechzigerjahren nicht mehr Sorge zur Altstadt getragen hat. Ich werde noch heute wütend, wenn ich daran denke, wie das alte Theater – ein Juwel seiner Art – gesprengt wurde. Demgegenüber sind neue Quartiere aus der Asche auferstanden, so das St. Johann. Das ist wirklich wunderbar. Das Gundeli ist jünger, fröhlicher geworden. Kleinbasel liebe ich wegen seiner Migranten, wegen dieses Touchs von Offenheit und anderer Welt. Absolutes Highlight aber ist für mich, dass man in den letzten Jahren den Rhein entdeckt und ihn zu einer Stadtattraktion mit dem Rheinschwimmen und einer herrlichen Rheinriviera gemacht hat.

Mehr zu «-minu» und seinem Schaffen gibt es auf seiner Website www.minubasel.ch

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