WASSERSPORTZENTRUM

Sportliche Erfrischung in Estavayer

Text: Kristina Morf / Bilder: zvg

In ihren Anfängen waren sowohl Wasserski als auch Wakeboarding Randsportarten. Ihre Entwicklung zum Breitensport verdanken die Disziplinen den Wasserski-Seilbahnen. Das Wassersportzentrum in Estavayer-le-Lac betreibt seit 1964 einen der ersten dieser Lifte in Europa und hat sich vom Geheimtipp zum Besuchermagnet gewandelt.

Als 1922 der Wasserskisport erfunden wurde, benötigte man zwingend ein Motorboot, um sich über Seen, Flüsse oder das Meer ziehen zu lassen. Die Freizeitaktivität entwickelte sich bis Mitte des Jahrhunderts zu einem international anerkannten Sport, konnte in der breiten Öffentlichkeit aber nur schwer Fuss fassen: Der Umstand, dass ein Motorboot teuer ist und nur wenige Leute befördern kann, stellte sich als stark limitierender Faktor heraus. Der deutsche Ingenieur und begeisterte Wasserskifahrer Bruno Rixen nahm sich dieses Problems an und erfand 1959 eine «Wasserskiseilbahn». Die Wasserskifahrer wurden dabei ähnlich wie von einem Skilift gezogen, was erlaubte, eine viel grössere Anzahl Sportler auf einmal zu befördern.

Kein Geheimtipp mehr
Es dauerte nicht lange, bis sich die Innovation ihren Weg in die Schweiz bahnte: In Estavayer-le-Lac wurde zu Beginn der 60er-Jahre ein Prototyp durch die für Seilbahnen und Schlepplifte bekannte Firma Habegger gebaut – der Lift war nach Rixens Modellen in Deutschland einer der ersten in Europa. Miguel Sansonnens vom Wassersportzentrum Alphasurf sagt, dass die visionäre Idee in Estavayer-le-Lac zunächst nicht recht funktioniert hatte. Ab Anfang der 70er-Jahre jedoch wurde der sogenannte Cable Ski immer beliebter und zog bald Gäste aus dem ganzen Land an.

Aufgrund der sehr frühen Übernahme der Idee erhielt das Wassersportzentrum in Estavayer-le-Lac für seinen Cable Ski eine permanente Bewilligung. In den Folgejahren wurden landesweit nur noch temporäre Lifte bewilligt, welche innerhalb eines Tages auf- und abgebaut werden können. So bleibt die Fünfmastanlage bis heute der einzige permanent installierte Cable Ski in der Schweiz und mit 800 m auch die längste. Der Status als Unikat ist nur einer der Gründe, weshalb ein Besuch im Wassersportzentrum in Estavayer-le-Lac absolut empfehlenswert ist: Da der Lift bis zu 9 Personen gleichzeitig befördern kann, gibt es auch bei grossem Andrang kaum Wartezeiten.

Als der Lift zu Beginn der 90er-Jahre renoviert werden musste, übernahm der damals noch kleine Windsurfclub Alphasurf die Anlage. Heute ist daraus ein grosses Wassersportzentrum geworden, das neben Wasserskifahren und Wakeboarding verschiedenste Aktivitäten anbietet. Nicht nur Sportarten wie Segeln, Kanufahren oder Stand Up Paddling gehören dazu, auch wöchentliche Konzerte (jeden Donnerstag im Strandrestaurant La Dérive) oder die Organisation von Wettbewerben und anderen Events sind Teil des Programms von Alphasurf.

Wassersportmekka Romandie
Dass einer der ersten Cable Ski in Europa in Estavayer-le-Lac gebaut wurde, ist gemäss Peter Frei, Präsident des Schweizerischen Wasserski- und Wakeboard-Verbands, wenig überraschend: Zwar waren lokaler Pioniergeist sowie eine Machermentalität wichtige Voraussetzungen, aber auch der Standort Westschweiz sei nicht zu unterschätzen. Die Region hatte einen starken Einfluss auf die positive Entwicklung der Sportart – dieser ist bis heute spürbar. So sei es in der Westschweiz viel einfacher, Bewilligungen für Anlagen oder den Bootsbetrieb zu erhalten, und die Sportclubs seien bedeutend grösser als in der Deutschschweiz: Manche Wakeboardcenter zählen mehrere hundert Mitglieder und alleine in Genf gibt es zwölf Wasserski- und Wakeboardclubs.

Auch international spielt die Westschweiz eine wichtige Rolle: 1947 wurde in Genf der Weltverband International Waterski & Wakeboard Federation (IWWF) gegründet. Insgesamt vier Schweizer haben den Weltverband schon präsidiert, der amtierende Präsident Kuno Ritschard stammt aus Unterägeri ZG. Innerhalb des Schweizer Verbands ist die Westschweiz prägend, sie stellte seit den Anfängen der Sportarten viele Präsidenten und international tätige Schiedsrichter.

«Eine Badehose und ein Smile»
In Estavayer-le-Lac trainieren natürlich die lokalen Vereine – aber auch Koriphäen wie Frédéric Traeger, ehemaliger Wakeboard-Weltmeister und sechsfacher Europameister, ist hier anzutreffen. Gemäss Miguel Sansonnens kommen seit einigen Jahren auch viele Athletinnen und Athleten aus der Deutschschweiz fürs Training nach Estavayer-le-Lac, denn im Vergleich zur dreimonatigen Saison der temporären Lifte in Crans-Montana, Genf oder Weesen können Sportler hier Anfang Mai bis Ende September trainieren.

Peter Frei betont, dass der Cable Ski besonders wichtig war, um Wakeboarding als Breitensport zu etablieren. Vom Lift mit etwa 30 km/h gezogen, anstelle eines schnelleren Motorboots, ist Wakeboarding der ideale Sport für Einsteiger – die einzige körperliche Voraussetzung ist eine Mindestgrösse von 1,25 Meter. Im Wassersportzentrum Alphasurf erhalten die Gäste vor ihrem ersten Versuch am Cable Ski eine Einweisung in die Abläufe und wann immer möglich werden sie in ihrer eigenen Sprache betreut. Dank der erhöhten Kapazität des Lifts eignet sich Wakeboarding auch für Familien, Gruppen oder Schulklassen. «Alles, was man mitbringen muss, ist eine Badehose und ein Smile», erklärt Miguel Sansonnens, «die restliche Ausrüstung wird von Alphasurf zur Verfügung gestellt.» Der Start von einem Steg aus und nicht wie beim Motorboot im Wasser erleichtert den Einstieg für Anfänger und erhöht damit den Spassfaktor des Sports. Und wer des Wassersports müde ist, kann stattdessen Petanque oder Minigolf spielen, sich eine Erfrischung in der Strandbar gönnen oder einfach in der Sonne dösen und die Seele baumeln lassen.
 
www.alphasurf.ch

Kategorie:

sport

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