Fitness

Bootcamp – das urbane Training

Interview: Thomas Wyss / Bilder: Jürg Waldmeier

Bootcamp? Ist das nicht die militärische Grundausbildung der US-Armee? Stimmt. In Zürich verbindet man den Begriff aber vor allem mit Sandy Hagers originellem Ganzkörperfitnessprogramm unter urbanem Himmel.

Nein, wie ein Drill-Sergeant wirkt Sandy Hager wahrlich nicht: Sie trägt lockere aber doch modische Sportlerkleidung; ihr Händedruck ist sanft, ihr Lachen ist herzlich. Und doch hört man von Freizeitsportlern, die regelmässig an ihren «Bootcamp»-Trainings teilnehmen, dass die zierliche und charmante Frau in den schweisstreibenden Einheiten doch ab und zu eine ganz schön «eiserne Lady» sein könne.
Mit dieser Aussage konfrontiert, sagt Sandy Hager lachend: «Es macht mir natürlich schon Freude, meine Trainingsgruppe zu fordern und Leute, die das wollen, an ihre sportlichen Grenzen zu treiben. Aber ich bin kein Quälgeist, es geht bei uns niemals zu und her wie in diesen bekannten militärischen Filmszenen, der Spass an der Bewegung steht immer im Vordergrund.»

Der fitnesshungrige Freundeskreis
Die Trainingsmethode wie auch der Name «Bootcamp» stammen aus den USA. Ursprünglich bezeichnete der Begriff tatsächlich nur die militärische Grundausbildung für US-Rekruten. Bis ein amerikanischer Fitnesscoach auf die clevere Idee kam, seine Freilufttrainings ebenfalls «Bootcamp» zu nennen.

«Es geht bei uns niemals zu und her wie in diesen bekannten militärischen Filmszenen, der Spass an der Bewegung steht immer im Vordergrund.»

Hager, Mutter eines fünfjährigen Knaben, kam mit der Methode in Kontakt, als sie im Alter von 27 Jahren für zwei Monate in Los Angeles weilte. Inzwischen ist sie 41 – was man ihr definitiv nicht ansieht. Kaum ist dieses Kompliment ausgesprochen, meint sie gespielt keck: «Ich habs ja schon immer gesagt: Ein regelmässiges und vernünftiges Training hält eben auch optisch jung.»

Als Sandy Hager aus Amerika zurückkehrte, hatte sie noch einen gewöhnlichen Bürojob inne, die «Bootcamp»-Trainings gab sie eher sporadisch, meist im Freundeskreis. Und irgendwann hörte sie ganz auf damit, weil die Belastung neben der Arbeit und den «normalen» Fitnesslektionen, die sie auch noch gab, schlicht zu gross geworden war. Doch ihre Freunde wollten sich mit diesem Entscheid nicht abfinden; sie vermissten diese originellen Bewegungseinheiten unter freiem Himmel, zu welchen es nichts Vergleichbares gab. Also bestürmten sie ihre sportive Kollegin so lange, bis sie vor ein paar Jahren nachgab. «Als ich wegen meiner Schwangerschaft meine Bürostelle verloren hatte, dachte ich: Wieso eigentlich nicht? Was habe ich schon zu verlieren?» Und so machte sie ihr Hobby zum Hauptberuf – und alle ihre «Bootcamp»-Fans glücklich.

«Wer 10 Minuten ohne Pause joggen kann und sich grundsätzlich gesund fühlt, wird keine Probleme haben, bei den ‹Bootcamps› mitzukommen.»

Das Unkonventionelle am «Bootcamp»: Als Trainingscenter dient die Stadt Zürich, vorab die Wege und Wiesen im Industriequartier und im benachbarten Wipkingen, dessen Gemeinschaftszentrum unweit der Limmat als Start- und Zielpunkt dient. Und als «Geräte» werden Geländer, Treppen oder gar Bäume benutzt. Die Trainingsgruppen sind zwischen sieben und höchstens fünfzehn Personen gross, quer durchs ganze Alterspektrum hindurch. Sandy Hager sagt, sie habe viele Stammkunden, dank positiver Mund-zu-Mund-Propaganda würden aber auch immer wieder neue Fitnesshungrige dazustossen. Die «Bootcamps» finden das ganze Jahr hindurch statt – zweimal pro Woche am Abend, einmal am frühen Morgen. Die Einheit dauert eine Stunde und kostet 30 Franken. Man kann aber auch ein Abonnement lösen, dann wird die Lektion gar noch günstiger. Wichtig ist nur, dass man sich auf «Bootcamp»-Webseite anmeldet.

«Ich habs ja schon immer gesagt: Ein regelmässiges und vernünftiges Training hält eben auch optisch jung».

Und welche Voraussetzung braucht jemand, damit er gut mitkommt? Sandy Hager: «Wer zehn Minuten ohne Pause joggen kann und sich grundsätzlich gesund fühlt, wird keine Probleme haben.» Sie lege auch immer wieder Stopps mit Übungen wie Froschhüpfen, Kniebiegen oder Liegestützen ein und warte auf jene, die gemächlicher unterwegs seien: «Ein langsamer Trainingsaufbau ist sehr wichtig». Und doch: Schon bei zweimaliger Teilnahme pro Woche fühle man sich bereits nach drei Monaten merklich besser in Form, verspricht Hager. «Und zwar am ganzen Körper, weil bei den ‹Bootcamps› alle Muskeln trainiert werden.»

Personal-Training à la Hager
In amerikanischen Metropolen wie Chicago, Los Angeles oder New York sind «Bootcamps» seit Jahren der «ultimative Fitnesskick», um es trendsprachlich zu formulieren. Hierzulande aber gilt Sandy Hager als Pionierin – wobei die Konkurrenz inzwischen deutlich grösser geworden ist. Auch deshalb hat die vife Zürcherin ihre Angebotspalette erweitert.

Einerseits gibt sie Fitnesslektionen für Jungmütter; das Projekt hat sie nach der eigenen Schwangerschaft entwickelt. Andererseits bietet sie neuerdings die klassische Disziplin «Personal-Training» an – notabene ebenfalls auf «hager’sche» Art und Weise: Statt die Klienten nämlich in einem anonymen Fitnesspark zu Höchstleistungen zu treiben, tut sie das bei den Trainingswilligen zu Hause und draussen, in deren Wohngegend. Auf die Frage, ob es dazu denn gar keine Hanteln oder Ähnliches bedürfe, sagt Hager: «Ein paar Geräte braucht es schon, aber meistens arbeiten wir mit dem, was uns die Natur und die Städtebauer zur Verfügung stellen. Ziel ist es nämlich auch, dass die Kunden die Übungen so bald wie möglich ohne meine Hilfe durchführen können. Damit sind sie zeitlich flexibler, und sie sparen Geld.»

www.bootcamp.sandyhager.ch

Kategorie:

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