Fussball-Leidenschaft

«Der FC Sion ist Teil unserer DNA»

Text: Kristina Morf / Bilder: zvg

Über 10 Tonnen Sauerkraut am Galaabend, eine Erfolgsquote von 100% in Cupfinals und 41 Trainerwechsel in den letzten 15 Jahren: Beim FC Sion sind Superlative keine Seltenheit. Erfahren Sie im Gespräch mit dem ehemaligen Spieler Christophe Bonvin und anderen Kennern des FC Sion, was hinter dem Fussballmythos steckt.

Immer wieder schafft es ein Schweizer Fussballclub, sich auch in die Köpfe und Gespräche jener festzusetzen, die keine Fussballfans sind. Sei es die ausgelassene Feierlaune der Fans des FC Sion, die ausgefallenen Episoden rund um den Clubbesitzer Christian Constantin oder sportliche Exploits – der Club aus dem Wallis fasziniert. Doch wie wurde aus dem einfachen FC Sion ein mythosbehafteter Fussballclub?

Diese Frage stellt man am besten jenen Personen, die seit vielen Jahren mit dem FC Sion verbunden sind und die inneren Abläufe des Clubs kennen. Christophe Bonvin ist eine solche Person: In der Nähe von Sitten geboren und aufgewachsen, bestritt er während 10 Saisons als Sédunois, wie die Spieler des FC Sion genannt werden, knapp 150 Spiele und schoss über 60 Tore für seine Mannschaft. Und obwohl er die Fussballschuhe vor bald 20 Jahren an den Nagel gehängt hat, bleibt er weiterhin mit dem FC Sion verbunden und trifft sich gerne mit alten Teamkameraden. So veranstaltete er im Mai 2015, kurz vor dem 13. Cupfinal (und -sieg), ein Treffen der ehemaligen FC-Sion-Spieler in seinem Rebberg.

Christophe Bonvin, langjähriger Spieler beim FC Sion, hält sich als Besitzer eines Weinguts viel in der Natur auf.
 

Zugpferd FC Sion
Christophe Bonvin wurde vom sportlichen Gegner zum Fussball gebracht:  An einem Match im Stade de Tourbillon sah er René Botteron, damals Spieler beim FCZ, und war von dessen elegantem Spiel so fasziniert, dass auch er Fussball spielen wollte. Doch es war immer der FC Sion, der ihn, genau wie die anderen jungen Walliser, besonders anzog. Der Ruf des Sittener Fussballclubs war so stark, dass Christophe Bonvin, der zunächst parallel Leichtathletik und Fussball trainierte, entschied, Ersteres aufzugeben und seine ungeteilte Aufmerksamkeit dem Fussball zu schenken.

Die Fans begleiten den FC Sion auch auf Auswärtsspielen in grosser Zahl und sind Teil des Erfolgs.

Die Wichtigkeit und die Anziehungskraft des FC Sion sind bis heute ungebrochen, wie Jean-Jacques Rudaz, Vizepräsident des Verbands Schweizer Sportjournalisten, betont. Auch Rudaz, ehemaliger Spieler und Trainer beim FC Sion und Speaker im Stade de Tourbillon, verbindet eine lange Geschichte mit dem Fussballclub. Mit acht Jahren begann er das Fussballtraining beim FC Sion: «Es war damals der Sport für Jungs. Auslöser war ganz klar der Erfolg der 1. Mannschaft.» Er ist überzeugt, dass der FC Sion den gesamten Kanton vereint, von Gletsch im Osten bis Saint-Gingolphe an der französischen Grenze.

Christian Constantin (Mitte) präsidiert den FC Sion seit 2003 und auch schon von 1992 bis 1997.

Die Fans sind Teil der Mannschaft
Tatsächlich ist die Beliebtheit des Clubs ungebrochen. Und obwohl es auch bei den Sédunois immer mehr Spieler gibt, die ihre Kindheit weit weg von Sitten verbracht haben, wird die Mannschaft als essenzieller Teil des Wallis betrachtet und mit grosser Wertschätzung bedacht. Das spürt Christophe Bonvin auch heute noch, knapp 20 Jahre nach seiner aktiven Karriere: Wenn er ein Bistrot betritt, so wird er stets als ehemaliger FC-Sion-Spieler erkannt und entsprechend herzlich gegrüsst oder nach seiner Meinung zu Fussballthemen befragt. «Man spürt, dass hier eine starke Flamme für den Fussball brennt. Ich glaube, der FC Sion ist schon Teil unserer DNA.»

Richtig gefeiert wird jeweils auf der Place de la Planta in Sitten, wie hier am 17. April 2006 nach dem 10. Cupsieg.

Überhaupt ist die Fankultur eine besondere im Wallis. Wo sonst gibt es einen Galaabend mit über 6 700 Gästen, die 10 Tonnen Sauerkraut mit Schlachtplatte vertilgen, um so ihren Fussballclub zu unterstützen? Für Christian Constantin jedenfalls geht die Rechnung auf: Die FC-Sion-Gala ist jedes Jahr ein grosser Erfolg, vor allem auch finanziell. Gemäss der «NZZ» betrug der Reingewinn 2015 über 1 Million Schweizer Franken. Auch mental tragen die Fans einen grossen Teil zur Stärke des FC Sion bei, mit ihrer Treue und ihrem zahlreichen Erscheinen an Auswärtsspielen: «So kommt man schon mit einer Eroberungsmentalität an», erklärt Bonvin.

Den Siegeswillen lernt man im Wallis früh. Für Fans wie Stéphane Jost (25) oder Rosy Produit (64) fing die Fussballbegeisterung bereits als Kind an. Und auch wenn sich Rosys erste Erinnerung an den FC Sion in der Unmenge an Fanmomenten verliert, so bleiben die Cupsiege von Sion unvergesslich. «Ich habe nur 2 der 13 Finals verpasst, bei allen anderen habe ich im Stadion mitgefiebert.» Die nationalen Siege der Walliser Mannschaft lassen für Fans sogar Highlights wie Europa-Cup-Spiele in Marseille, Nantes, Porto und Liverpool etwas verblassen.

Legendäre Cupsiege – legendäre Feiern
Das sieht Stéphane Jost ähnlich, vor allem der 13. Cupsieg sei ein sehr wichtiger gewesen, denn jetzt hätte man die 13 Siege für die 13 Sterne auf der Walliser Flagge. «Und die Legende lebt weiter!» Dass die Siege dann im grossen Rahmen zelebriert werden, versteht sich von selbst. Auf einem Wagen fährt die Mannschaft in Sitten die Rue de la Gare hoch, bis zur Place de la Planta, wo mit ungefähr 20 000 Leuten gefeiert wird. «Man könnte meinen, wir hätten die Weltmeisterschaft gewonnen», so Jost.

Sportjournalist Jean-Jacques Rudaz kennt den FC Sion auch als Spieler, Trainer und Stadionspeaker.

Fragt man Christophe Bonvin oder Jean-Jacques Rudaz nach ihren besten Erlebnissen mit dem FC Sion, so ist die Antwort zunächst die gleiche: «Ach, da gibt es zu viele, um einen auszuwählen!» Für Bonvin bleiben internationale Auftritte wie der Sieg gegen Atlético Madrid 1984 in Spanien oder sein Tor 1996 in Liverpool gegen seine Lieblingsmannschaft in besonders guter Erinnerung. Ähnlich wie für die Fans sind auch für Jean-Jacques Rudaz die 12 Cupfinals, die er als Sportjournalist und Speaker begleiten konnte, das persönliche Highlight mit dem FC Sion.

Unbesiegbare Walliser
Die schier unglaubliche Gewinnsträhne in Cupfinalen ist für Jean-Jacques Rudaz auch einer der Hauptgründe für den legendären Ruf des FC Sion. Christophe Bonvin, selber vierfacher Gewinner des Pokals, liefert eine Theorie zur Erklärung der unglaublichen Serie von 13 Siegen in 13 Finalteilnahmen: Nach dem sechsten Sieg wäre der Seriengewinn zu einem Quasifakt geworden und es wäre für Spieler undenkbar gewesen, den Final zu verlieren und so als Erster die Siegesserie zu brechen. Sportlich gäbe es natürlich keinen Grund für diese anhaltende Überlegenheit in Finalspielen, aber die Erfolgsquote sei so eindrücklich, dass sie es vermöge, sogar so starke Gegner wie den FC Basel zu verunsichern.

Jean-Jacques Rudaz erklärt den Erfolg mit dem Wesen der Walliser: «Ich vergleiche das manchmal mit den Ringkuhkämpfen, den ‹combat des reines› – hier wie im Fussball kommt der Walliser Charakter zum Ausdruck.» Der Walliser Charakter, der sich mit zwei Worten ausdrücken lässt: niemals aufgeben.

Sie wollen ein Spiel des FC Sion live miterleben?
Auf der Homepage des FC Sion finden Sie Informationen zu sämtlichen Spielen der Saison, welche der Club in den verschiedenen Turnieren bestreitet, und können auch den Spielplan herunterladen. Tickets können Sie bei Ticketcorner bestellen (www.ticketcorner.ch/fc_sion) – ganz bequem ohne Warten oder Anstehen. Wollen Sie sich vor dem Match noch mit einem FC-Sion-Trikot oder -Accessoire ausstatten? Unter www.fcsionstore.ch gibt es vom Schal bis zum Flaschenöffner alles, was das Fanherz begehrt.
 

Kategorie:

freizeit, sport

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