Tipps für Hobbygärtner

Es grünt auf dem Balkon – auch ohne grünen Daumen

Text: Lena Grossmüller, Fotos: Lena Grossmüller, istockphoto.com, Header: Rina H. / photocase.de, Slider: REHvolution.de, Thomas Ruppel, neophoto, AndreasF., morningside, Nordreisender / photcase.de

Sie haben keinen grünen Daumen, aber trotzdem Freude an Blütenpracht und Nutzpflanzen auf dem Balkon und im Kleingarten? Gärtner René E. Lutz gibt hilfreiche Tipps und sagt Ihnen, welche Blumen- und Pflanzensorten gut und leicht gedeihen.

In manchen Jahren sieht das Basilikum auf dem Balkon gar kümmerlich aus und über die noch zarten Blumenblüten machen sich schon die Läuse her. So geht es vielen, die nebenher ein paar Balkonkistchen oder ein kleines Gartenbeet bewirtschaften. Was könnte man anders machen, ohne gleich ein Gartenbaustudium zu absolvieren? MyCard traf René E. Lutz, gelernter Gärtner und Inhaber der Gartenbaufirma Lutz Gärten, in den Hallen der Zürcher Blumenbörse, um über Gartentrends, ideale Balkonpflanzen und die Tipps und Tricks für Hobbygärtner zu sprechen.
 

Experte für Grünes: Gärtner René E. Lutz.

René Lutz, was genau versteht ein Profi unter einem grünen Daumen?
Einen grünen Daumen hat für mich eine Person, die merkt, ob es einer Pflanze gut geht oder nicht. Leider ist das nicht selbstverständlich – nicht einmal unter Gärtnern. Das muss schon eine Berufung sein, nicht nur ein Beruf.

Woran liegt es, dass trotz grünen Daumens Balkonpflanzen nicht gedeihen wollen?
Ein Grund ist häufig Platzmangel. Die kleinen Balkonkästen bieten oft nicht genügend Raum für die Pflanzen. Auch Dünger wird häufig unterschätzt. Hinzu kommt, dass Pflanzen auf dem Balkon extremer Witterung ausgesetzt sind: Mal ist es heiss, dann wieder kalt, dann sehr windig. Das macht den Pflanzen zu schaffen.

Was ist die häufigste Ursache dafür, dass Pflanzen eingehen?
Ganz klar: der falsche Standort. Schattengewächse dürfen natürlich nicht in die pralle Sonne. Kräuter hingegen vertragen die Sonne relativ gut, sie müssen nur ausreichend gegossen werden. In vielen Fällen hilft es schon, sich vorab zu informieren. Einfach mal ein Pflanzenbuch aufschlagen, einen Gärtner fragen oder im Internet nach Infos suchen.

«Der ungeduldige Gärtner wird bestraft.»

Kräuter wie Schnittlauch und Petersilie lassen sich gut im Balkonkasten anbauen.

Kann man schon beim Kauf etwas falsch machen?
Ja, nämlich zur falschen Zeit kaufen. Wenn man beispielsweise Anfang März Primeln kauft, kann es gut sein, dass sie beim nächsten Frost erfrieren. Die Pflanzen stammen häufig aus Gewächshäusern und vertragen den Wetterumschwung und die Kälte nicht. Ich sage immer: Der ungeduldige Gärtner wird bestraft.  

Wie entscheidend ist die richtige Erde?
Sehr wichtig. Hobbygärtner unterschätzen das oft. Viele Pflanzen benötigen einen leicht sauren Boden. Wenn Sie beispielsweise einen Rhododendronstrauch in unseren Schweizer Boden pflanzen, geht er ganz sicher ein. Er benötigt ein Moorbeet mit Torf, um optimal gedeihen zu können. Generell mögen viele Pflanzen Torf im Boden oder Ersatzstoffe wie Kokosfasern. Für gewöhnliche Blumen oder Kräuter reicht allerdings handelsübliche Blumenerde. Diese sollte alle zwei bis drei Jahre gewechselt werden.

Was ist schlimmer, zu viel oder zu wenig giessen?
Beides gleich schlimm. Pflanzen brauchen ausreichend Wasser, aber keine hat gern nasse Füsse. Um Staunässe vorzubeugen, hilft ein einfaches Drainage-System, das auch in Balkonkästen gut funktioniert: Zuerst eine Schicht Hydrokugeln, dann etwas Vliesstoff und darauf die Erde samt Pflanze. Um den Wasserhaushalt einer Pflanze zu überprüfen, kann man übrigens ganz einfach mit dem Finger in die Erde stechen: Ist sie noch feucht, reicht die Wassermenge aus, ist die Erde trocken, braucht die Pflanze wieder Wasser.
 

«Keine Pflanze hat gern nasse Füsse.»

Welche Pflanzen sollten nicht in direkter Nachbarschaft angepflanzt werden?
Im Gartenbau und auf Balkonen ist das eigentlich relativ unwichtig. Einzig und allein bei Schnittlauch gibt es eine goldene Regel: Er darf nie alleine stehen. Das ist auch der Grund, warum immer gleich zwei oder mehrere Stränge in einem Topf verkauft werden.


Was sind die aktuellen Garten- und Pflanzentrends?
Urban Gardening ist weiterhin sehr aktuell. Immer mehr Menschen nutzen ihre Balkone und Dachterrassen, um Tomaten, Salate oder Kräuter anzupflanzen. Es ist wichtig geworden, zu wissen, wo Nahrungsmittel herkommen. Auch wenn man dann vielleicht nur fünf Tomaten im Jahr erntet, immerhin stammen sie vom eigenen Balkon. Neben der wachsenden Begeisterung für Kleingemüse und Nutzpflanzen sind Zierpflanzen immer noch sehr dominant, besonders in Schweizer Gärten.

Mindestens einmal wöchentlich auf der Suche nach neuen Gartentrends: René E. Lutz in den Hallen der Zürcher Blumenbörse.

Wie kann ich Urban Gardening unkompliziert auf meinem Balkon oder in meinem Kleingarten umsetzen?
Einfach zwei grosse Kisten aufstellen und los gehts. Dafür braucht man nicht viel Platz, zwei Quadratmeter reichen schon. Wichtig ist, dass man nicht die kleinen Balkonkästen nutzt, denn sie bieten den Pflanzen zu wenig Raum und sind relativ schnell voll. Eine Kiste oder ein grösserer Topf ist ideal.

«Gräser sind ideale Einstiegspflanzen für Hobbygärtner.»

Kleine Ziergräser sind sehr pflegeleicht und eignen sich für Hobbygärtner besonders gut.

Was kann ich tun, damit es auf meinem Balkon ganzjährig grün ist?
Grundsätzlich ist die Nachfrage nach «Immergrün» stark gestiegen. Wahrscheinlich weil die Grünflächen in den Städten mehr und mehr zurückgehen und es dann zumindest zu Hause etwas mehr Natur sein darf. Neben den immergrünen Gewächsen gibt es eine sehr schöne, ursprüngliche Geranienart, den Storchenschnabel, die sich ebenfalls gut dafür eignet. Dank einer neuen Züchtung kann sie von Frühling bis zum ersten Frost auf dem Balkon blühen.

Welche Pflanze ist für Hobbygärtner besonders pflegeleicht?
Gräser. Es gibt verschiedene Grössen, die sich je nach Bedarf in den Balkonkasten einpflanzen lassen. Sie brauchen zwar relativ viel Wasser, sind aber ansonsten einfach im Unterhalt. Ausserdem lassen sie sich gut mit Stauden kombinieren und sehen im Wind sehr schön aus. Generell gilt die Faustregel: lieber mit einer kleinen Pflanze starten.

Ein Geheimtipp, den jeder Hobbygärtner kennen sollte?
Geduld. Gärtnern braucht Zeit, und die muss man sich nehmen.

Kurzportrait Gärtner René Lutz
Seit 2004 führt René E. Lutz die Gartenbaufirma Lutz Gärten mit den zwei Standorten in Maur und Gossau (ZH). Sie hat sich auf die Planung, Umsetzung und Pflege von Gärten spezialisiert, vor allem im Bereich Natursteingärten. Seit sechs Jahren gestaltet die Gärtnerei im Auftrag von «Beyer Uhren und Juwelen» das wechselnde Winterkleid der Blumenuhr am Zürcher Bürkliplatz. der-gaertner.ch  

Tipps zur Gartenpflege und biologischen Schädlingsbekämpfung
www.biogarten.ch

Plattform für Urban Gardening
www.vegandthecity.ch

Urbane Gärten in der Schweiz
www.nachhaltigleben.ch

 

Kategorie:

freizeit, natur, tipps

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