Martinsloch bei Elm

Eine Dorfkirche im besten Licht

Text: Hugo Vuyk, Headerbild: © Kantonsmarketing Glarus / Samuel Trümpy

Das Naturschauspiel ist zwei Mal im Jahr zu sehen, jeweils für wenige Minuten. Am 12. bis 14. März ist es wieder so weit: Dann wird die Sonne durchs Martinsloch genau auf den Kirchturm von Elm scheinen. Lassen Sie sich die Gelegenheit nicht entgehen und kombinieren Sie Ihre Reise ins Glarnerland mit einem Besuch weiterer Sehenswürdigkeiten oder mit einem Abstecher auf die Pisten.

Auf die Frage, wie das 22 Meter hohe und 19 Meter breite Felsenfenster im grossen Tschingelhorn oberhalb von Elm überhaupt entstanden ist, gibt es zwei Antworten. Diejenige in der Sage im Glarner Dialekt führt das Martinsloch auf den Schafhirten Martin zurück, der in den Elmer Bergen seine Tiere hütet. Eines Tages kommt von Flims her ein Riese und will die Schafe stehlen. Doch der Hirte verteidigt seine Herde tapfer und wirft dem Riesen seinen Stab nach. Dieser verfehlt sein Ziel und prallt mit dem Metallspitz in die Felswand. Es grollt und donnert heftig. Schliesslich zeigt sich im Fels ein dreieckiges Loch.

Die geologische Antwort ist ebenfalls interessant, wenn auch weniger dramatisch als die Sage. Martinsloch und Tschingelhorn gehören zur Tektonikarena Sardona, die 2008 auf die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde. Auf der zugehörigen Webseite ist zu lesen: «Im sagenumwobenen Martinsloch kreuzen sich zwei Schwächezonen: eine weiche, flach liegende, dunkle Mergelschicht und eine steil stehende Bruchfläche. In diesem Bereich konnte dadurch die Erosion die Kalksteine schneller abtragen und es entstand das Martinsloch...»

Naturspektakel fachkundig erläutert
Welche Geschichte Ihnen auch besser gefällt – durch das Loch scheint während weniger Minuten zwei Mal im Jahr an zwei bis drei Tagen die Sonne genau auf den Kirchturm von Elm. 2016 findet dies vom Samstag, 12. März bis Montag, 14. März, um 08:55 Uhr und dann wieder vom Donnerstag, 29. September, bis Samstag, 1. Oktober, um 09:32 Uhr statt. Während gut zwei Wochen vor und nach diesen Daten scheint die Sonne zwar auch durchs Martinsloch, doch ihre Strahlen treffen nur an den genannten Daten auf den Kirchturm.

Wenn Sie das Ereignis miterleben wollen, finden Sie sich am besten mindestens 15 Minuten vorher bei der Kirche ein, wo eine fachkundige Person Erläuterungen abgibt und Ihnen den besten Beobachtungsplatz zeigt. Zu Ihrer Sicherheit: Bei der Beobachtung des Spektakels bei klaren Sichtverhältnissen ist ähnliche Vorsicht geboten wie bei einer Sonnenfinsternis. Die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr am Morgen bedingt einen frühen Start: In Zürich fährt der Zug um 06:12 Uhr ab und in St. Gallen bereits um 06:05 Uhr. In Schwanden müssen Sie um 07:32 Uhr auf den Bus umsteigen, der um 08:01 Uhr an der Haltestelle Elm Dorf Halt macht. Von dort sind es nur wenige Schritte zur Kirche.

Zimmer oder Parkplatz gesucht?
Wer schon am Vortag anreisen will, findet in dieser Jahreszeit in der Ferienregion Elm meist auch ziemlich kurzfristig ein Zimmer, wie das Tourismusbüro Elm Ferienregion bestätigt. Parkplätze sind beim Dorfeingang beim ehemaligen Bahnhofsgebäude zu finden wie auch beim Gemeindehaus. Den grössten – übrigens ebenfalls kostenlosen – Parkplatz finden Sie bei der Talstation der Seilbahn, dieser ist allerdings einen guten Kilometer von der Kirche entfernt. Ein Wort zum Wetter: Der gut fünf Kilometer lange Sonnenstrahl zwischen Martinsloch und Kirche ist besonders gut bei dunstigem Wetter zu sehen.

Kleiner Ort mit grossem Angebot
Elm zählt nur etwas mehr als 600 Einwohner und gehört heute zur Gemeinde Glarus Süd, hat aber seinen Besuchern auch neben dem Martinsloch viel zu bieten. Gleich anschliessend an das Naturspektakel findet jeweils eine spannende öffentliche Führung in der Schiefertafelfabrik statt (CHF 15.– pro Person). Das Dorfbild mit seinem Dorfzentrum gleich um die Kirche wurde mehrfach ausgezeichnet und steht unter Denkmalschutz.

Mehr über die Tektonikarena Sardona erfahren Sie im Besucherzentrum im alten Schulhaus (Eintritt gratis, täglich geöffnet von 10:00 bis 20:00 Uhr). Den berühmtesten Ort des Welterbes lässt sich übrigens leicht besichtigen: Die Überlagerungen der Gesteinsschichten ist in der «Lochsite» so gut zu sehen, dass sich das Naturhistorische Museum in New York davon eine Kopie erstellen liess. Ab dem Parkplatz der Firma Denecke AG in Schwanden ist der Weg ausgeschildert, zu Fuss ist die «Lochsite» ab Bahnhof Schwanden in etwa 20 Minuten erreichbar.

Für das Naturspektakel im März 2016 hat das Tourismusbüro Elm Ferienregion extra ein Pauschalangebot zusammengestellt: eine Übernachtung inkl. Frühstück in einem Hotel der Ferienregion nach Wahl, einen 1.5-Tagesskipass der Sportbahnen Elm (40 km Pistenlänge, Saison bis am 3. April) sowie eine Führung in der Schiefertafelfabrik ab 135 Franken pro Person im Doppelzimmer. Übrigens: Wer gute Fotos vom Martinsloch-Spektakel schiesst, kann diese auf die Facebookseite der Organisation hochladen und so am Fotowettbewerb teilnehmen.

Weitere Tipps in Stichworten: Elmer Citro Quellenweg (im März je nach Wetter vereiste Stellen möglich), Schieferbergwerk Landesplattenberg (im März nur Führungen für Gruppen), Suworow-Museum in Linthal. Mehr Ideen finden Sie auf der Webseite des Tourismusbüros. Und wer weiss, vielleicht läuft Ihnen in Elm die Schweizer Skilegende Vreni Schneider über den Weg...

Webseiten zu Elm und Umgebung
www.elm.ch Unterkünfte, Aktivitäten, Martinsloch (u.a. Sage im Dialekt; D)
www.facebook.com Besucherinformationen und Fotowettbewerb
www.plattenberg.ch Schiefertafelfabrik und Schieferbergwerk (D)
www.sportbahnenelm.ch Alles rund um den Wintersport (D/E)
www.unesco-sardona.ch Tektonikarena Sardona (D, E)
www.geopark.ch und www.dorfsool.ch Informationen zur «Lochsite» (D/E resp. D)
www.1799.ch Suworow-Museum (D)
www.vrenischneider.ch Website von Vreni Schneider und ihrer Skischule (D)

Kategorie:

freizeit, natur, tipps

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