Kanufahren für Einsteiger

Auf dem Wasser unterwegs

Text: Lena Grossmüller / Fotos: Jacques Isler, Andres Becher

Wenn die ersten Badis die Freibadsaison eröffnen, sind sie schon längst auf dem Wasser unterwegs: die Kanuten. Denn nicht nur Schwimmen oder Segeln sind beliebte Wassersportarten in der Schweiz, Kanu- und Kajakfahren bietet eine ganz besondere Möglichkeit, die Natur zu erleben. Was müssen Einsteiger dabei beachten? MyCard hat beim Kanuclub Brugg nachgefragt und Tipps und Tricks rund ums Kanufahren zusammengestellt – damit Sie schon bald raus aufs Wasser können!

Angeblich, so witzeln Kanusportler, ist der Schweizerische Kanu-Verband der kleinste Sportclub der Schweiz, noch kleiner als Minigolf. Er zählt rund 3 800 Mitglieder in insgesamt 48 Clubs, von Genf bis Schaffhausen. Allen Kanuten ist eines gemein: die Begeisterung für wunderschöne Strecken, die sportliche Herausforderung und die Nähe zur Natur.

Genau diese Passion vertritt auch der Kanuclub Brugg, der 1966 gegründet wurde. Er bietet zwei bis drei Einsteigerkurse pro Jahr und für seine erfahrenen Mitglieder jeden Mittwoch ein regelmässiges Training. Jacques Isler ist seit fünf Jahren einer von ihnen und bis zu drei Mal pro Woche auf dem Wasser unterwegs. Im Interview erklärt er, was Einsteiger vor dem Start wissen müssen.
 
Die wichtigste Frage zuerst: Worin besteht der Unterschied zwischen Kanu und Kajak?
Das ist eigentlich ganz einfach zu erklären: Kanu ist der Oberbegriff für Paddelboote, Kajak ist eine spezielle Gattung darunter. Ein Kajak hat ein Doppelpaddel und ist mit einer Spritzdecke geschlossen. Andere Paddelboote, zum Beispiel der Kanadier, sind oben offen und werden kniend oder sitzend mit nur einem Stechpaddel bewegt.
 
Worin besteht der Reiz des Kanu- bzw. Kajakfahrens?
Unberührte Natur, sich mit eigener Kraft seinen Weg zu bahnen. Es ist ein Teamsport, aber gleichzeitig ist man doch alleine für sein Boot verantwortlich. Die Stromschnelle musst du mit deinen eigenen Fähigkeiten meistern, aber falls du ein Problem hast, gibt es immer Helfer, die dich unterstützen. Besonders diese Kameradschaft zeichnet den Sport aus.
 
Welche Ausrüstung ist nötig? Und muss ich bestimmte Grundvoraussetzungen mitbringen?
Nein. Man sollte lediglich schwimmen können. Und bestenfalls nicht über 140 kg wiegen, darüber wird es schwierig, ins Boot zu kommen. Was die Ausrüstung angeht, bekommen Beginner diese vom Kanuclub gestellt, wenn sie einen Einsteigerkurs besuchen. Dazu zählen: Boot, Paddel, Spritzdecke, Schwimmweste und Helm. Falls das Wasser sehr kalt ist, auch ein Neoprenanzug.
 
Wie sieht das erste Training aus?
Neulinge starten mit einem Einsteigerkurs im Hallenbad. Hier lernt man die wichtigsten Dinge, vor allem das korrekte Aussteigen, falls das Boot sich gedreht hat. Und natürlich den Klassiker: die Eskimorolle.
 
Was genau versteht man darunter und wie kann man sie lernen?
Die Eskimorolle ist eine Drehung um die eigene Achse. Sie beschreibt praktisch den Vorgang, sich selbstständig wieder aufzurichten, falls sich das Boot auf den Kopf gedreht hat. Einsteiger lernen sie am besten beim sogenannten Eskimotiertraining im Hallenbad. Dort drehen zwei Personen das Boot kontrolliert um, man taucht unter Wasser und klopft, sobald man wieder umgedreht werden möchte. Dadurch bekommt man ein Gefühl für die Drehung und legt die Angst ab, unter Wasser zu sein. Später erfolgt dann die Drehung aus der Hüfte heraus. Erfahrungsgemäss kann es sehr lange dauern, bis die Eskimorolle gelingt.
 
Wann ist die beste Jahreszeit, um das Kanu- bzw. Kajakfahren zu lernen?
Am besten beginnt man im Herbst mit einem Einsteigerkurs im Hallenbad. Dann hat man genügend Zeit, zu üben, um im Frühling raus in die Natur zu können. Grundsätzlich ist Kajakfahren ein ganzjähriger Sport, man muss sich nur entsprechend kleiden.
 

Fährt man alleine oder mit Trainer?
Das ist die wichtigste Grundregel beim Kanufahren: Man fährt nie alleine. Egal, ob Beginner oder Profi. Es sollten immer mindestens drei Leute gemeinsam losfahren, darunter ein erfahrener Fahrer.
 
Was ist die häufigste Unfallursache und wie kann ich ihr vorbeugen?
Die meisten Unfälle lassen sich vermeiden, wenn man sich an gewisse Regeln hält: nicht alleine unterwegs sein, angemessene Kleidung tragen, das Wetter und den Wasserstand im Blick haben und seine eigenen Fähigkeiten nicht überschätzen. Was leider immer mal wieder passiert, sind Verletzungen an der Schulter und im Gesicht, ausgelöst durch Steine im Wasser. Deshalb ist ein Helm sehr wichtig.
 
Wo gibt es gute Einsteigerrouten in der Schweiz?
Die Limmat ist mit Wildwasserkategorie 1 ein guter Fluss für Beginner. In Brugg haben wir das Glück, dass unter der Altstadt gleich drei Flüsse aufeinandertreffen, auf denen man gut fahren kann: Limmat, Reuss und Aare. Auf der Reuss sind im Sommer auch viele Schlauchboote unterwegs. In der Nähe von Basel gibt es ausserdem den Wildwasserpark von Hüningen (Huningue) in Frankreich. Dort hat es einen künstlichen Kanal, der sich super für Einsteiger eignet.
 
Welchen Rat würden Sie Einsteigern mit auf den Weg geben?
Immer weitermachen, nicht aufgeben. Die ersten zwei Jahre sind sehr mühsam, aber wenn man es dann kann, ist es sehr, sehr schön.
 
Kanutouren sind in vielen Teilen der Schweiz möglich. MyCard hat schöne und leichte Strecken für Einsteiger von Kanuland für Sie zusammengestellt (Bilder: © SchweizMobil). Weitere regionale Routen finden Sie hier.
 

Route 25 Ticino Canoa, Cresciano–Arbedo
Im Tessin eignet sich die Strecke Cresciano–Arbedo für Einsteiger. Auf der 8 km langen Fahrt auf dem Tessin trifft mediterranes Lebensgefühl auf alpine Bergkulissen. Und die breiten Schotterbänke laden zum Entspannen zwischendurch ein. Mehr Informationen hier.

Route 70 Rhein Kanu,
Stein am Rhein–Schaffhausen

Auch auf dem Rhein sind Kanufahrten möglich. Von der Strömung getragen, geht es auf dieser Strecke 18 km lang vorbei an historischen Gebäuden, Klöstern und Wehranlagen. Zahlreiche Gaststätten bieten sich für Pausen an. Mehr Informationen hier.

Route 80 Bielersee Kanu,
Erlach–Biel (Nidau)

In der Westschweiz bietet der Bielersee für Einsteiger einen schönen Anlaufpunkt. Besonders gut kann man entlang des östlichen Ufers fahren, 13 km vorbei an Schilfgürteln und verschiedenen Naturschutzgebieten, zum Beispiel der Petersinsel. Mehr Informationen hier.

Route 90 Reuss Kanu, Bremgarten–Gebenstorf
Laut Jacques Isler ein Klassiker: Auf der Reuss laden dschungelartig bewachsene Ufer, leichte Stromschnellen und viele Inseln zu einer vielseitigen Paddeltour ein. Mit 25 km eine schöne Wildwassertour für Beginner. Mehr Informationen hier.

Kanuclub Brugg
www.kanuclub-brugg.ch

Shop für Ausrüstung: Transa
www.transa.ch

Shop für Ausrüstung: Jack Wolfskin
www.jack-wolfskin.ch

Übungskanal für Einsteiger: Ville de Huningue
www.ville-huningue.fr


Links zu Angeboten von Tagesausflügen
Kanu/Kajak in der Westschweiz
www.myswitzerland.com

Kanu/Kayak in Morges
www.morges-tourisme.ch

Kanutouren in der Deutschschweiz und im Tessin
www.meinweekend.ch

Kategorie:

freizeit, natur, sport

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