Olympia 2016 in Rio de Janeiro

Hallo aus Brasilien – Schweizer Fans an der Olympiade

Text & Bilder: Roman Odermatt

Seit dem 5. August haben sich Athleten und Sportfans aus aller Welt zu den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro eingefunden. Auch ein junger Schweizer ist nach Brasilien gereist: Roman Odermatt berichtet für MyCard in einem dreiteiligen Fan-Tagebuch von seinen Erlebnissen am Zuckerhut und lässt Sie zu Hause an der Olympia-Stimmung vor Ort teilhaben.

Tagebucheintrag 17.08.2016 – Ein letzter Gruss aus Rio
Barra Olympic Park, Dienstag, 9.8., 9 Uhr (14 Uhr Schweizer Zeit): Der Tag der Entscheidung war da – der Wettkampf der Degenfechter. Ich wollte nicht zu spät kommen und nahm zur Sicherheit ein Taxi. Die fehlenden Durchsagen in den Bussen, die spärliche Beschriftung der Haltestellen und die unvorhersehbare Wartezeit an der Eingangskontrolle von bis zu drei Stunden liessen mir keine andere Wahl. Doch entgegen meiner Befürchtungen durchlief ich die Sicherheitsschleuse in nur wenigen Minuten. 
 
Geschafft, ich war drin! Ich spürte Erleichterung in mir aufkommen. Sofort liess ich mich von der fröhlichen Stimmung der verschiedenen Fangruppen anstecken. Die meisten olympischen Hallensportarten werden westlich des Zentrums von Rio de Janeiro ausgetragen. Auf dem Areal der ehemaligen Formel-1-Rennstrecke wurde ein moderner Sportplatz mit neun Hallen errichtet. 
 
Im Fechtstadion angekommen, erwartete mich bereits eine grosse Schweizer Fangemeinde mit Kuhglocken und Fahnen. Es war mit Abstand die grösste Fangruppe vor Ort. Einzig die südamerikanischen Fans waren lauter. Das Stadion war im Gegensatz zur Stimmung ziemlich leer. Man konnte sich frei bewegen, ich hielt mich immer im Gang zwischen den oberen und unteren Sektoren auf. Diese Position ermöglichte mir ein schnelles Wechseln zwischen den verschiedenen Fechtpisten und eine gute Sicht auf das Geschehen. Die Schweiz war mit gleich drei Degenfechtern gut vertreten. Schnell wurden die Unterstützungsrufe laut: «Hopp Schwiz!» und «Allez Beni/Fabian/Max». 
 
Der junge Südkoreaner Park Sangyoun – der spätere Olympiasieger ­– liess Max’ Traum von der Medaille leider im Viertelfinale zerplatzen. Auch Benjamin Steffen, ein weiterer Schweizer Degenfechter, musste sich im Halbfinal gegen den flinken Asiaten geschlagen geben. Das Schlussfazit für Max bleibt dasselbe wie schon in London vor vier Jahren: stark gestartet, doch beide Male wegen des späteren Olympiasieger ausgeschieden. Auch im Teamwettkampf konnte ein frühes Aus gegen die späteren Silber-Gewinner nicht verhindert werden. 
 
Olympia neigt sich dem Ende zu, doch für mich und meine Freundin ist die Reise noch nicht vorbei. Auf uns warten noch drei weitere Ziele in Brasilien. Insgesamt war Rio 2016 ein aufregendes Erlebnis, das ich sofort wiederholen würde. Mir wurden zwar meine Flip-Flops gestohlen, als ich an einem der feinen Sandstrände Rios surfen war, doch alles halb so wild – vielleicht brauchte der Dieb sie dringender als ich. Die Organisation wurde von Tag zu Tag besser und der viel diskutierte Abfall im Meer ist weit weniger schlimm als der im Luzerner Seebecken. Von daher: grosses Kompliment an die ganze Stadt und alle Helfer! Obrigado!
 
Dies war nun mein letzter Post aus Rio. Ich wünsche allen Sportlern und Zuschauern, zu Hause oder in Brasilien, noch eine schöne Olympiade!
Viele Grüsse
Roman

Tagebucheintrag 11.08.2016 – Hallo, da bin ich wieder
Um meine Tickets für Olympia abzuholen, musste ich quer durch Rio de Janeiro, auf die andere Seite der Stadt. Bewusst wählte ich den Bus. Mit anderen Verkehrsmitteln machte ich hier schon lustige bis chaotische Erfahrungen. Nach vier Tagen hatte ich eine grobe Vorstellung von der Stadt und merkte bei meiner letzten Taxifahrt daher bald, dass der Fahrer einen riesigen Umweg fuhr. Weil wir den Preis bereits im Vorfeld abgemacht hatten, erschloss sich mir der Grund dafür nicht. Als er es kurz vor dem Ziel wieder schaffte, falsch abzubiegen, beendete ich die Irrfahrt und legte die restlichen 200 Meter zu Fuss zurück. 
 
Ein anderes Mal war eine Hauptstrasse für ein Strassenrennen gesperrt. Nur fehlte die Umleitung für den weiterrollenden Verkehr. Kurzerhand verwandelte sich eine Parallelstrasse zur neuen Hauptstrasse; auch wenn die improvisierte Umleitung nur einspurig war und mitten durch eine Favela führte. Die Anwohner hatten wenig Freude an der neuen Verkehrsanbindung. Immerhin dienten die Rohre, welche über die Strasse zum nächsten Bach führten, als nützliche Temposchwellen. 
 
Auf den ersten Blick ärgerlich, doch in genau solchen Momenten spürt man die sprichwörtliche brasilianische Gelassenheit, Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit. Auch wenn niemand Englisch spricht, kann mit Hand und Fuss jedes Anliegen diskutiert werden. Die Besitzer eines Restaurants, in das ich jeden Abend essen gehe, haben mich bereits in ihre Familie aufgenommen. Darum bin ich gerne dort – auch wenn der Fisch nur nach Knoblauch schmeckt. Dafür sind die Portionen riesig. 
 
So oder so erreichte ich mit meiner inzwischen abgeschauten brasilianischen Gelassenheit nach zwei Stunden das Ziel am anderen Ende der Stadt und hatte meine gewünschten Olympiatickets bald in den Händen. 
 
Nach dem Kauf der Tickets blieb mir wieder Zeit und ich konnte die Stadt weiter erkunden. Ich fuhr mit der in Stans gebauten Luftseilbahn auf den Pão de Açúcar. Von da aus hat man einen herrlichen Blick auf die Copacabana und ich konnte das Rennen der Windsurfer vor dem Flamengo-Strand mitverfolgen. Weiteres Ziel war die berühmte Fliesentreppe Escadaria Selarón. Hier traf ich unsere Schweizer Fahnenträgerin Giulia Steingruber, welche einen Ruhetag mit ihrer Familie verbrachte. 
 
Kurz gesagt, habe ich in den Tagen hier in Rio schon einiges erlebt. Doch bis jetzt hatte ich noch nicht die Gelegenheit, etwas ganz Wichtiges zu machen: im Meer zu baden. Für morgen habe ich dafür Zeit eingeplant, um es endlich nachzuholen. Doch wie es aussieht, wird es regnen ...
 
Viele Grüsse aus Rio – bis zum nächsten Post!
Roman

Tagebucheintrag 10.08.2016 – Hallo aus Rio
Copacabana in Rio de Janeiro, Samstag, 18 Uhr (23 Uhr Schweizer Zeit): Die berühmte Strandpromenade ist noch sehr belebt. Die roten Schwimmverbotsfahnen werden grosszügig von den Touristen ignoriert. Im hell erleuchteten Beachvolleyballstadion direkt am Strand duellieren sich Herren aus den Niederlanden und Russland. Das gleissende Licht der Scheinwerfer trügt Fernsehzuschauer in der ganzen Welt, es sei noch herrlicher Sonnenschein. Doch die frühe Dämmerung des brasilianischen Winters hat sich bereits über die Stadt und ihre grüne, hüglige Landschaft gelegt. Vor knapp einer Stunde verschwand die Sonne im Westen, hinter den ausgestreckten Armen von «Cristo Redentor», der berühmten Specksteinstatue, die über die Stadt wacht.
 
Rio de Janeiro ist die erste Station meiner knapp vierwöchigen Brasilienreise. Hier versuche ich, meinen alten Schulkameraden, den Schweizer Degenfechter Max Heinzer, aus dem Publikum heraus zu unterstützen. 
 
Im Vorfeld der Olympischen Spiele berichteten einige Zeitungen über die prekäre Sicherheitslage in Rio. Ich persönlich liess mich erst kurz nach der Ankunft leicht beunruhigen, als Polizisten über Social Media Touristen dazu aufriefen, die Spiele unbedingt zu meiden, man solle lieber zu Hause bleiben. Um nicht ausgeraubt zu werden, solle man möglichst keinen Schmuck und keine Gegenstände bei sich tragen, die einen als Tourist verraten. Meine Uhr habe ich zu Hause gelassen. Doch auf meine Fotokamera möchte ich nicht verzichten, schon allein für diesen Beitrag.
 
Die Sicherheitsvorkehrungen rund um die Spiele sind hoch. Manchmal fast schon zu hoch, wie folgende Geschichte zeigt, die ich aus Teilnehmerkreisen erfahren konnte: Die Eltern einer Sportlerin mussten knapp drei Stunden an der Sicherheitskontrolle vor dem Stadion warten, in dem ihre Tochter gerade einen Wettkampf bestritt. Als sie endlich das Stadion betreten durften, war ihre Tochter bereits ausgeschieden.  
 
Für die Degenfechter der Herren geht es heute Dienstag los. Der Fechtsport erhält seine grösste mediale Präsenz an den Olympischen Sommerspielen, also nur alle vier Jahre. Umso wichtiger ist es für jeden Fechter, hier gut abzuschneiden. Max Heinzer belegt aktuell Rang 10 der Weltrangliste und hat gute Chancen auf einen Podestplatz. Schon an den Olympischen Spielen in London 2012 durfte ich ihn begleiten, jedoch schied er damals früh aus. Was wir dort gelernt haben: Es braucht viel Glück und eine sehr gute Tagesform. 
 
Viele Grüsse aus Rio – bis zum nächsten Post!
Roman
 

Kategorie:

freizeit, sport

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