Inhalte suchen und filtern

Expertentipp

Das alles steckt hinter Ihrer Kreditkartenzahlung

Foto: Ornella Cacace / 08.09.2021

Kreditkarten erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Nicht zuletzt, weil das Zahlen damit sehr einfach und sicher ist und viele weitere Vorteile bietet. Was für den Karteninhaber sehr simpel ist, hat einen komplexen Ablauf im Hintergrund. Was geschieht eigentlich, bis das Geld vom Käufer zum Händler gelangt? Alexander Ginsburg, Head Payment Products bei Viseca, erklärt, wie’s funktioniert.

Karte zücken und bezahlen. Was für den Karteninhaber eine denkbar einfache Handlung ist, hat im Hintergrund einen aufwendigen Prozess zur Folge. Den Karteninhaber kostet die einzelne Transaktion in der Schweiz oder beim Online-Shopping nichts. Dennoch fallen Gebühren und andere Kosten an, die zu entgelten sind.
 
Herr Ginsburg, was alles steckt hinter einer Kreditkarten-Transaktion?
Für den Käufer und den Verkäufer gestalten sich Zahlungen mit der Kreditkarte sehr einfach, dahinter verbirgt sich aber immer eine komplexe technische Abwicklung.
Zentral ist das Zusammenspiel zwischen dem Händlerbetreuer (Acquirer), dem Kartenherausgeber (Issuer) und den Kreditkartennetzwerken, den sogenannten Card Schemes wie Mastercard oder Visa,   die zu jeder Zeit einwandfrei funktionieren müssen – und das weltweit.
 
Wer und was alles steckt hinter einer Kreditkarten-Zahlung?
Ein Vertrag mit Bezahlung per Kreditkarte entsteht zwischen dem Käufer, also dem Karteninhaber, und dem Händler. Das kann ein Online-Shop, ein Restaurant oder irgendein Dienstleister sein, der die Zahlung per Kreditkarte akzeptiert.
Der Issuer und der Acquirer sind innerhalb des Kreditkarten-Netzwerks für die Autorisierung, die Auszahlung und die Rechnungsstellung zuständig und gewährleisten eine schnelle und reibungslose Transaktion.
 
Viele Fachbegriffe, können Sie diese bitte etwas ausführen?
Der Karteninhaber setzt bei einem Einkauf oder auch im Restaurant seine Kreditkarte ein. Nach jeder Abrechnungsperiode erhält er vom Issuer eine Sammelrechnung für alle «Einkäufe» und begleicht die Summe der getätigten Transaktionen an ihn.
Der Acquirer auf der Gegenseite ist der Vertragspartner des Händlers. Er ist vom Händler ermächtigt, den Kaufpreis über das Kreditkartennetzwerk beim Issuer des Käufers bzw. Karteninhabers einzufordern und stellt sicher, dass der Händler sein Geld innerhalb eines vereinbarten Intervalls erhält.
 
Und der Issuer?
Der Issuer ist der Herausgeber der Kreditkarte. Er ist direkter Ansprechpartner des Kreditkarteninhabers. In dem Moment, in dem beim Händler eine Kreditkartenzahlung initiiert wird, prüft der Issuer Gültigkeit und Limite der Karte und autorisiert die Zahlung oder lehnt diese ab. Zudem erstattet er den Kaufpreis via Kreditkarten-Netzwerk an den Acquirer und stellt dem Karteninhaber eine Rechnung mit den gesammelten Ausgaben.
 
Wieso braucht es denn ein Kreditkarten-Netzwerk?
Das Kreditkarten-Netzwerk regelt die Zusammenarbeit zwischen Issuern und Acquirern sowie deren Kunden, den Händlern. Ausserdem ist es für die Infrastruktur zur Transaktionsabwicklung verantwortlich und stellt sie zur Verfügung. Dank dieses globalen Netzwerks ist es überhaupt möglich, dass das Kreditkartensystem auf der ganzen Welt einwandfrei funktioniert. So sorgt es dafür, dass die vom Acquirer geforderte Erstattung des Kaufpreises an den richtigen Issuer übermittelt wird. Und die andere Richtung, dass die Vergütung durch den Issuer an den entsprechenden Acquirer erfolgt.
 
Wieso können Acquirer und Issuer nicht direkt miteinander kommunizieren?
Der Acquirer und der Issuer wissen nicht direkt voneinander, da sie lediglich über das Kreditkarten-Netzwerk miteinander verbunden sind. Wenn Sie Ihre Karte beispielsweise in New York zum Zahlen verwenden, dann leitet der Acquirer die Kartendaten an das sogenannte Scheme (Mastercard oder Visa) weiter. In der Mitte dieses Zahlungsprozesses ist das Kreditkarten-Netzwerk, die Schnittstelle zwischen Acquirer und Issuer, das die Zahlungsanfrage an den Issuer weiterleitet und die korrekte Prüfung, Durchführung und Verbuchung einer Transaktion sicherstellt. Erst dieses Netzwerk macht ein weltweites Kartenzahlungssystem überhaupt möglich.
 

Diese Darstellung zeigt, wer an welcher Stelle mit welcher Aufgabe im Zahlungsprozess gefordert ist, damit die Kreditkartenzahlung überall innert Sekunden und mit maximaler Sicherheit vollzogen werden kann.

1. Waren oder Dienstleistungen werden bei einem Anbieter erworben und per Kreditkarte bezahlt.

2. Der Händler oder Dienstleister sendet die Transaktion meist auf elektronischem Weg an den Acquirer, den Vertragspartner des Händlers.

3. Die Transaktion wird vom Acquirer an das Kreditkarten-Netzwerk weitergleitet.

4. Das Kreditkarten-Netzwerk sendet die Transaktion wiederum weiter an den Issuer, den Herausgeber der Kreditkarte.

5. Nun prüft der Issuer die Zahlung und autorisiert diese oder lehnt sie ab – das geschieht alles in Echtzeit. Die Autorisation gelangt dann via Kreditkarten-Netzwerk zum Acquirer und schliesslich zum Händler.

6. Der Issuer entschädigt das Kreditkarten-Netzwerk abzüglich Gebühr (Interchange Fee)

7. Das Kreditkarten-Netzwerk entschädigt den Acquirer abzüglich Gebühr (Interchange Fee)

8. Der Acquirer entschädigt schliesslich den Händler und erhält dafür eine sogenannte Händlerkommission.

9. Der Issuer stellt dem Karteninhaber die Transaktion in Rechnung.

10. Zu guter Letzt bezahlt der Karteninhaber dem Issuer den Gesamtbetrag.

Weitere Artikel