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Telefonbetrug nimmt zu – was Sie tun können

Text: Hugo Vuyk / Foto: iStock

Sie haben eben Ihr Abendessen beendet, da klingelt Ihr Telefon. Ein Mitarbeiter eines angeblichen Softwareherstellers sagt, er habe von Ihrem Computer eine automatisch verschickte Fehlermeldung erhalten und wolle helfen. Achtung: Spätestens jetzt sollten Sie auflegen, denn bei diesem Anruf handelt es sich um einen der Betrugsversuche, die sich zurzeit häufen. Lesen Sie hier, wie Sie sich schützen können.

Der freundliche Herr am Telefon spricht Englisch oder Deutsch. Er arbeite für Microsoft in den USA und habe kürzlich eine von Ihrem Computer automatisch verschickte Fehlermeldung erhalten. Er bietet an, das Problem gleich gegen Bezahlung zu beheben, aber er brauche hierfür Ihre Kreditkartendaten, um die Bezahlung für den Support abwickeln zu können.

Im ersten Augenblick glaubwürdig
So oder ähnlich verlaufen die Anrufe, von denen in der Schweiz in letzter Zeit immer mehr Menschen berichten. Die Personen am anderen Ende der Leitung geben sich als Mitarbeiter von Microsoft oder von einer anderen Computer- respektive Softwarefirma aus und sprechen nach bisherigen Erfahrungen gut Englisch oder Deutsch. Auch von Anrufen auf Französisch oder Italienisch wurde bisher vereinzelt berichtet.

Die Anrufer erwecken den Eindruck, über ein grosses Computerwissen zu verfügen. Anders gesagt: Sie können im ersten Augenblick durchaus glaubwürdig wirken. Diese Betrüger sind hinsichtlich Überredungskünsten bestens ausgebildet. Einen Zugriff auf Ihr Gerät nutzen sie zur Installation von Schadsoftware.

Nie Zugang zu PC und Daten gewähren
Mit solchen Anrufen werden kriminelle Ziele verfolgt. MELANI, die Melde- und Analysestelle Informationssicherheit des Bundes, warnt ausdrücklich vor diesen gefälschten Supportanrufen. Je nach Anruf gehen die Betrüger unterschiedlich vor:

  • Die einen wollen Zugang zu Ihrem Computer haben. Sobald ihnen das gelingt, manipulieren sie Ihren Computer so, dass sie jederzeit vollen Zugang zu Ihrem System und auch zu Ihren Daten haben.
  • Die anderen bieten Ihnen an, das vermeintliche Problem gegen eine Beratungsgebühr gleich zu beheben, und wollen dazu Ihre Kreditkartendaten haben. In der Folge werden Sie auch nach dem SMS-Code gefragt oder sogar aufgefordert, die Buchung mittels VisecaOne App zu bestätigen. Allfällige Differenzen zwischen dem vereinbarten und dem belasteten Betrag werden entgegen der Versprechung nicht zurückerstattet.
  • Alternativen zur Kartenbelastung sind die Aufforderung an Sie, vorgängig eine Überweisung via Internet vorzunehmen oder Geschenkkarten zu kaufen und deren Code bekanntzugeben.

Ganz wichtig für Sie ist: Sobald Sie eine Kartenzahlung autorisiert haben, kann diese nicht mehr rückgängig gemacht werden. Das Betrugsmuster mit betrügerischen Supportanrufen wird auch Telefon-Phishing genannt. Das einzige Ziel der Anrufer ist es, an Kartendaten oder Zahlungen zu gelangen, um sich ungerechtfertigt zu bereichern.

Checkliste für das Verhalten bei gefälschten Supportanrufen

1.

Weder Microsoft noch andere Software- oder Computerfirmen tätigen unangemeldet oder unaufgefordert Supportanrufe, um Computerprobleme zu melden. Beenden Sie diese Gespräche unverzüglich.

2.

Rufen Sie nicht auf Nummern an, die Ihnen plötzlich als Pop-up-Fenster auf dem Bildschirm angezeigt werden.

3.

Gewähren Sie nie einer Person, die Sie angerufen hat, Zugriff auf Ihren Computer. Sollten Sie Zugriff gewährt haben, trennen Sie das Gerät schnellstmöglich vom Netz. Beseitigen Sie umgehend die installierte Software (eventuell Fachmann beiziehen).

4.

Geben Sie nie einer Person, die Sie angerufen hat, Ihre Kreditkartendaten bekannt.

5.

Geben Sie nie einer Person SMS-Codes für Zahlungen oder bestätigen Sie keine Zahlungen über Ihre App, welche Sie nicht (oder nicht in dieser Betragshöhe) selber beauftragt haben.

6.

Sollten Sie sensitive Daten bekannt gegeben haben, setzen Sie sich bitte umgehend mit unserer Sperrzentrale in Verbindung, um die entsprechende Karte zu sperren.

7.

Sollten Sie auch Zugangsdaten zu VisecaOne angegeben haben, erwähnen Sie diesen Umstand bitte gegenüber unseren Mitarbeitenden.

Eine weitere Variante der gefälschten Supportanrufe sind Pop-up-Fenster, die sich beim Surfen im Web auf Ihrem Computer öffnen und Sie auf Viren oder andere Probleme mit Ihrem Rechner hinweisen. Sie sind häufig gekoppelt mit der Aufforderung, eine angegebene Telefonnummer zu wählen. Dort, Sie ahnen es inzwischen sicher, werden Sie dann aufgefordert, Zugriff auf Ihren Computer zu gewähren oder eine Überweisung mittels Kredit- oder Prepaid-Karte vorzunehmen. Auch in diesem Fall gilt alles, was oben aufgeführt ist. Sollte Ihr Computer wirklich von Viren befallen oder von einem anderen Problem betroffen sein, dann gehen Sie auf Fachleute zu.

Weitere Informationen
Bitte beachten Sie den Artikel auf der offiziellen Microsoft-Seite.
Mehr zu Sicherheit finden Sie auf unserer Website unter Kartenverlust und Sicherheit sowie unter Betrugsversuche.
Auch MELANI, die Melde- und Analysestelle Informationssicherheit des Bundes, hat einen Beitrag zu gefälschten Supportanrufen publiziert.

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