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Mountainbike: Tipps und Tricks vom Profi

Text: Natalie Sniatala, Fotos: Ornella Cacace, Video: Stephan Huwyler / 10.07.2019

Egal, ob Sie das Adrenalin suchen oder einfach nur die Natur geniessen wollen: Biken ist ein Jedermann-Sport und aktuell hoch im Kurs. Nathalie Schneitter, ehemalige Mountainbike-Weltklassefahrerin und Expo-Leiterin der Bike-Days, spricht über ihren Lieblingssport und gibt Ihnen Tipps zu Fahrtechniken, Lieblingsstrecken und den neusten Trends.

Was macht Biken so besonders?
Der Mix aus Adrenalin, Fun und körperlicher Herausforderung. Um auf den Berg zu gelangen, ist Ausdauer und Kondition gefragt. Doch wer es geschafft hat, wird mit einer actionreichen Abfahrt belohnt. Und natürlich ist man umgeben von schöner Natur, was mir persönlich hilft, vom Alltag abzuschalten. 

Welche Velo-Modelle liegen aktuell im Trend? 
Jedes dritte Velo, das im Handel verkauft wird, ist ein E-Bike. Der Trend gilt sowohl für Stadtvelos als auch für Mountainbikes. Ich unterstütze diesen Hype, denn er macht den Sport für viele Menschen zugänglicher. Ein E-Bike ist für Anfänger, für ältere Menschen, aber auch für erfahrene Biker, die einfach nur den Fun-Faktor erleben wollen, geeignet. Ich persönlich fahre ebenfalls sehr gerne E-Bike. Insbesondere dann, wenn ich den Adrenalinkick suche. Mit dem E-Mountainbike schaffe ich doppelt so viele Abfahrten wie mit einem Bike ohne Motor.

Was gehört zur Basisausrüstung eines Bikers? 
Ein guter Helm, Knieschoner, Brille, Handschuhe und natürlich das Bike selber. Wer noch ein altes Bike im Keller hat, kann dieses mit einer absenkbaren Sattelstütze aufrüsten. Damit lässt sich die Höhe des Sattels via Knopf am Lenker verstellen. Bei steilen Abfahrten ist diese Funktion sehr praktisch, da man sicherer fährt, wenn der Sattel nicht im Weg ist.
 

Was halten Sie von Smartwatches? 
Für Performance-Fahrer bietet eine Smartwatch gute Möglichkeiten, ihre Leistungen festzuhalten und sich neuen sportlichen Herausforderungen zu stellen. Die App Strava ist eine gute Plattform dafür. Biker können damit die Fahrten mit GPS verfolgen, Karten abrufen und Fotos von Aktivitäten mit Freunden teilen. Ich persönlich tracke meine Aktivitäten nicht mehr und geniesse es, mich nicht mit anderen messen zu müssen. 

Haben Sie Tipps fürs Biken bei schlechtem Wetter?
Das Wichtigste ist, dass Radfahrer nicht frieren. Körperteile wie Füsse, Hände und Gesäss sind besonders empfindlich, da darüber die meiste Wärme verloren geht. Deshalb mein Tipp bei Regen: Plastiksäcke über die Socken anziehen, damit sie schön trocken bleiben. Dieser einfache Trick kann auch beim Joggen angewendet werden. Zudem trage ich wasserdichte Handschuhe und eine kurze Regenhose, die mein Gesäss bedeckt. 

Welches ist der häufigste Anfängerfehler?
Viele Menschen nutzen die Vorderbremse nicht, weil sie Angst haben, über den Lenker zu fallen. Dabei hat die Vorderbremse viel mehr Power. Deshalb sollten Biker immer beide Bremsen gleichzeitig benutzen, damit sie effizient und sicher im Gelände unterwegs sein können. Mein Tipp: nur mit einem Finger die Bremse betätigen, damit die restlichen Finger noch lenken können. Das gibt zusätzliche Stabilität. 

Was muss ich besonders bei steilen Abfahrten beachten?
Immer schön die Fersen nach unten drücken. Auf diese Weise verlagert sich der Körper automatisch nach hinten und das Gefühl, nach vorne über den Lenker zu kippen, wird geringer. Es ist zudem wichtig, dass Knie und Ellbogen locker sind. Sie dienen als zusätzliche Federung. Ausserdem sollte der Blick immer nach vorne gerichtet sein. Und last but not least: Speed is your friend! Wenn Biker zügig auf ein Hindernis zufahren, können sie dieses viel einfacher bewältigen, als wenn sie sehr langsam fahren. Dank zusätzlicher Geschwindigkeit rollen die Räder nämlich einfacher über Wegblockaden wie grosse Steine und Äste.  
 

Wie bereite ich mein Bike auf eine Tour vor?
Die meisten Menschen fahren mit zu fest gepumpten Pneus, deshalb sollten diese vor einer Fahrt unbedingt geprüft werden. Die Reifen müssen so weich sein, dass ein Eindrücken noch möglich ist. Nur so können sich die Stollen der Reifen dem Untergrund anpassen.

Gibt es einen Trick beim Aufwärtsfahren? 
Ich wechsle beim Treten gerne die Position zwischen Stehen und Sitzen. Zudem schalte ich zwischen den Gängen, um meinen Körper auf verschiedene Weise zu fordern. Mit einem harten Gang ist Kraft gefragt. Eine hohe Tretfrequenz hingegen geht eher auf das Herz-Kreislauf-System. Neben der körperlichen Leistung ist auch die mentale Kraft gefordert. Mein Trick: Sich bei der Auffahrt verschiedene Etappenziele setzen. So hat man immer mal wieder ein Erfolgserlebnis und kann sich danach zum Beispiel mit einem Stück Kuchen belohnen.

Welches sind die schönsten Strecken in der Schweiz?
Ich fahre am liebsten auf Wanderwegen, den sogenannten Single Trails. Dafür eignen sich der Jura und die Alpen hervorragend. Ich mag beispielsweise Strecken in Graubünden und im Wallis. Für eine E-Bike-Tour habe ich einen Geheimtipp: Die Surselva im Kanton Graubünden. Das Gebiet ist noch wenig bekannt, sodass Biker eine freie Fahrt durch ein beeindruckendes Panorama geniessen können. Generell empfehle ich, sich die Routen individuell nach den eigenen Fahrkenntnissen und Vorlieben auszusuchen. Jede Bergregion bietet Bike-Karten an, auf denen die Strecken, so wie beim Skifahren, in Blau, Rot, Schwarz und Grün unterteilt sind. Ich nutze auch Apps wie Trailforks, Komoot und die Swiss Single Trail Maps

Welche Destination gilt als Geheimtipp für Bike-Ferien?
Das Angebot wächst ständig. Südtirol und Ligurien kann ich sehr empfehlen. Doch mein Geheimtipp ist Madeira. Die Insel baut aktuell ihr Angebot extrem aus. Etwas weiter weg, aber auch sehr zu empfehlen, ist Israel. Die Routen führen durch Steinwüsten. Man fährt auf alten Kameltrampelpfaden, die nicht sehr steil und somit auch für Anfänger gut geeignet sind. 

Sie sind im Organisationskomitee der Bike-Days: Was ist das für ein Event? 
Die Bike-Days läuten jährlich die Velosaison ein. Die Besucher können sich auf Spiele, Wettkämpfe und natürlich viel Fachwissen rund ums Velo freuen. Wer ein neues Bike kaufen will, nach passendem Zubehör sucht oder Bike-Ferien plant, der findet am Event die neusten Trends. Die nächsten Bike-Days finden von 8.–10. Mai 2020 in Solothurn statt. Wer sich fürs Biken interessiert, der sollte sich das Datum am besten jetzt schon fett in die Agenda eintragen. 

Über Nathalie Schneitter
Nathalie Schneitter startete ihre internationale Mountainbike-Karriere im Jahr 2004 mit dem Sieg des Cross-Country-Weltmeistertitels in Les Gets (Frankreich) bei den Juniorinnen. Im Jahr 2008 qualifizierte sie sich für die Olympischen Spiele in Peking und 2010 sicherte sie sich den Heimsieg beim Cross-Country-Weltcup in Champéry. 2016 gab Nathalie Schneitter ihren Rücktritt aus dem Leistungssport bekannt, doch Vollgas gibt sie noch heute neben der Rennstrecke: Seit Herbst 2016 ist sie Messeverantwortliche der Bike-Days in Solothurn und des Urban-Bike-Festivals in Zürich. Zudem arbeitet sie als Freelancerin für verschiedene Projekte der Bike-Industrie. Mehr auf Instagram und ihrer Website.

Charity: MyBRAINmyRules
Nathalie Schneitters Bike-Freundin Lorraine Truong kämpft seit Jahren mit traumatischen Hirnverletzungen, die sie sich beim Radsport zugezogen hat. Da die Behandlungsmöglichkeiten in der Schweiz noch gering sind, ist sie auf Tests und Therapien in den USA angewiesen. Dafür hat sie nun eine Charity gestartet und ist dankbar für jede Unterstützung. Mehr erfahren

Kategorie:

natur, reisen, sport, story, tipps

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