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Wenn Hobby zum Beruf wird – Adrian Kübler von Baba Shrimps

Text: Natalie Sniatala / Fotos: Ornella Cacace / Video: Stephan Huwyler / 10.04.2019

Das Hobby zum Beruf machen – Adrian Kübler, Frontmann der erfolgreichen Schweizer Pop-Band Baba Shrimps, hat genau das gemacht. Im Interview mit MyCard spricht er über seine Passion und gibt Tipps zu Musik und Lifestyle.

Wie hast du zur Musik gefunden?
In meiner Familie spielten alle ein klassisches Instrument. So kam es, dass ich mit sechs Jahren anfing, Geige zu spielen. Obwohl ich über zehn Jahre Unterricht nahm, habe ich den emotionalen Zugang zur Klassik nie richtig gefunden. Erst als ich in die Pubertät kam, entbrannte meine Leidenschaft für die Musik. Auf dem Estrich fand ich die verstaubte Gitarre meines Vaters. Als ich die ersten Akkorde spielte, war ich wie elektrisiert. In alten Luftschutzkellern veranstaltete ich mit Gleichgesinnten erste Jamsessions. Nachdem mich drei Jahre später meine erste Liebe sitzen gelassen hatte, verarbeitete ich den Herzschmerz in meinem ersten Song. So nahm alles seinen Lauf; die Musik wurde mein neuer bester Freund.

Was rätst du jemandem, der sein Hobby zum Beruf machen möchte?
Sich Zeit lassen und sich nicht unter Druck setzen. Mir hat das rückblickend geholfen. Die Musik war für mich immer Leidenschaft und nie Existenzgrundlage. Da ich nebenbei Jobs hatte, war ich finanziell abgesichert. Es war nie mein primäres Ziel, professioneller Künstler zu werden. Viel mehr war Musik ein zeitintensives Hobby und mein emotionales Ventil zur Schule, später dann zur Arbeit. So steckte ich immer mehr Energie und Herzblut in diese Leidenschaft. Wir gründeten Baba Shrimps und mit der Zeit wurde unsere Musik immer bekannter. Wir traten öfter auf, sodass ich mein Arbeitspensum weiter reduzieren konnte. Erst seit zwei Jahren lebe ich ganz von der Musik.

Wie seid ihr auf euren Bandnamen gekommen?
Wir liessen uns vom Film «Forrest Gump» inspirieren. Noch heute kennen wir jede Szene dieses Filmklassikers. Am besten gefällt uns, wie Forrest und Baba gemeinsam ein Shrimps-Unternehmen gründen wollen. Wir denken, dass Fischer und Musiker durchaus gewisse Ähnlichkeiten haben: Beide müssen viel warten und brauchen Geduld, bis jemand oder etwas anbeisst. So nannten wir unsere Band Baba Shrimps.

Woher kommt die Inspiration für eure Songs?
Viele Ideen kommen am frühen Morgen, ganz unerwartet, oft unter der Dusche. Damit die Melodie nicht gleich wieder weg ist, springe ich dann sofort aus der Wanne, um sie aufzuschreiben oder als Sprachmemo festzuhalten. Inspiriert werden unsere Lieder durch persönliche Erlebnisse, Gespräche mit Freunden oder Filme. Es gibt aber auch Tage, an denen wir hartnäckig nach einer Idee oder Melodie suchen, diese allerdings nicht finden. Was uns in solchen Fällen hilft: Notizblock, Laptop und Gitarre zur Seite legen und in die Badi gehen.

Wie viel von dir selbst findet sich in den Liedern wieder?
Meine Songtexte und Melodien sind Ausdruck meiner Persönlichkeit, meiner Erfahrungen und meiner Emotionen. Die Geschichten, die wir in unseren Songs erzählen, sind zwar nicht immer autobiografisch, ein persönlicher Zugang ist aber essenziell. Schliesslich singe ich unsere Lieder unzählige Male und will auf der Bühne diese Gefühle immer wieder abrufen und erleben können.

Wichtiger, als immer den direktesten Weg einzuschlagen, scheint uns das Unterwegssein an sich. Denn gerade die Umwege und Sackgassen machen das Leben doch irgendwie aus.

Weshalb heisst das aktuelle Album «Road to Rome»?
Es ist die logische Fortsetzung des Debütalbums «Neon», auf dem wir unsere Wurzeln, die Kindheit und unsere Jugendjahre nochmals musikalisch durchlebten. Inzwischen, ein paar Jahre älter, wissen wir besser, wer wir sind. Nun stellte sich die Frage nach den persönlichen Träumen und Lebenszielen und auf welchem Weg diese erreicht werden können. Wichtiger, als immer den direktesten Weg einzuschlagen, scheint uns das Unterwegssein an sich. Denn gerade die Umwege und Sackgassen machen das Leben doch irgendwie aus. Ganz nach der Redewendung «viele Wege führen nach Rom» haben wir unser Album «Road to Rome» genannt. Mit dem Albumrelease im Juni 2017 haben wir uns dann tatsächlich auf eine Reise in die ewige Stadt begeben. Nach 18 Monaten und vielen Umwegen und Zwischenstopps in Deutschland, England, Italien und Südkorea sind wir im Oktober 2018 mit der Band in Rom angekommen. Auf unserer Webseite und Social-Media-Kanälen können Fans die ganze Road to Rome mit über 128 Zwischenstopps nochmals erleben.

Apropos Social Media: Hast du persönliche Tipps für den öffentlichen Auftritt?
Natürlichkeit. Wir probieren bei unseren Auftritten, uns selbst zu sein, und suchen stets die Nähe zu unserer Community, ob on- oder offline. Unser Instagram-Profil lebt von spontanen Storys und Posts. Doch damit ein Social-Media-Kanal spannend bleibt, braucht es auch aufwendigere, qualitativ hochwertige Inhalte. Ein guter Mix aus spontan und geplant macht’s aus!

Wo kaufst du dein Equipment? Lieber online oder im Laden? Wie zahlst du?
Bei ProMusig in Zürich oder bei dieGitarre in Winterthur. Bei grösseren Investitionen wie beim Kauf einer Gitarre lasse ich mich gerne beraten. Ein Instrument ist etwas sehr Persönliches. Vor dem Kauf nehme ich es gerne in die Hand und probiere es aus. Verbrauchsmaterialien wie Gitarrensaiten bestelle ich hingegen im Internet (z.B. bei www.thomannmusic.ch) und zahle mit der Kreditkarte. Ich bin ein grosser Fan von «Plastikgeld».

Bleiben wir bei der Gitarre: Welche Tipps würdest du einer Anfängerin/einem Anfänger auf den Weg geben?
Auf Youtube finden sich viele gute Lernvideos, die dir Schritt für Schritt beibringen, ein Lied zu spielen. Mittlerweile fast schon Legendenstatus geniesst der Online-Gitarrenlehrer Marty Schwartz (Youtube-Kanal «Marty Music»). Mein erster Tipp: mit einfachen Songs beginnen, um schnell ein Erfolgserlebnis zu haben. Mein zweiter Tipp: Struktur in das Lernen bringen. Beispielsweise einmal die Woche offline Musikunterricht nehmen oder noch besser: sich mit Gleichgesinnten treffen, gemeinsam üben und eine Band gründen.

Welche Apps empfiehlst du Musikliebhabern?
Ich mag die App Cleartune. Sie ersetzt das Gitarrenstimmgerät. Wer einen Song schreiben möchte, dem empfehle ich PrimeRhyme. Diese App ist ein Reimlexikon, das auch offline funktioniert. Ganz praktisch, wenn man mal einen Song auf einer einsamen Insel ohne WLAN schreiben will.

Welche Städte sind aufgrund ihres Musikangebots eine Reise wert?  
Mir gefällt London. Hier haben wir unser zweites Album aufgenommen. Die Stadt strotzt vor Musik. Wenn man im Viertel Brick Lane am Sonntagmittag den Markt besucht, spielen zwischen den Ständen überall hippe Bands und schräge Künstler. Zudem ist Hamburg eine Reise wert. Die melancholische Fernwehatmosphäre, die die Hafenstadt versprüht, ist einmalig.

Bald startet der Festivalsommer. Welches Open Air darf ich nicht verpassen?
Das Heitere Open Air in Zofingen im Kanton Aargau. Letztes Jahr standen wir dort auf der Hauptbühne und waren begeistert von diesem Festival. Es treten grossartige Acts auf und trotz seiner Grösse herrscht eine familiäre Stimmung.

Wo kann ich in der Schweiz sonst noch gute Musik hören?
Ich mag das Volkshaus und das «Plaza». Beide Clubs befinden sich bei mir um die Ecke. Ich kann sozusagen mit den Hausschuhen hinüberlaufen und mir ein Konzert ansehen. Auch cool ist das «Mehrspur», ein Club der Zürcher Fachhochschule der Künste. Dort gibt’s viele Konzerte von jungen, talentierten Musikern. Weiter empfehle ich die Mühle Hunziken in Rubigen im Kanton Bern, ein Musikclub mit langer Tradition und einem einmaligen Ambiente.

Wo können euch die Fans demnächst live sehen?   
Wir arbeiten aktuell an neuen Songs, weshalb wir wenig live auftreten. Am 3. Mai spielen wir im «Kiff» in Aarau. Im Sommer gibt es auch ein paar Termine: Am 6. Juli am Zürifäscht, am 31. Juli am Seefestival Wädenswil und am 1. August in Zug. Im Herbst planen wir dann eine besondere Tournee mit neuer Musik. Zudem können mich Kulturfans ohne Baba Shrimps ab 22. Mai auf der Bühne sehen. Mit anderen Schweizer Künstlern spiele ich im Musiktheaterstück «Tribute to Woodstock».  

Zwei Tickets für «Tribute to Woodstock» am 27. September 2019 inklusive «Meet and Greet mit Adrian Kübler» zu gewinnen!
MyCard verlost zwei Tickets für das Musiktheaterstück «Tribute to Woodstock» im Theater 11 in Zürich. Nach der Aufführung können Sie Adrian Kübler von Baba Shrimps persönlich kennen lernen! So nehmen Sie teil: Schreiben Sie bis am 31. Mai 2019 eine E-Mail mit dem Betreff Baba Shrimps und Ihrer Adresse an mycard@viseca.ch.

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Teilnahmebedingungen
Mit der Teilnahme am Wettbewerb erklären sich die Teilnehmenden mit den folgenden Teilnahmebedingungen einverstanden: Teilnahmeschluss ist der 31. Mai 2019. Die Gewinner/-innen werden schriftlich benachrichtigt. Teilnehmen am Gratis-Wettbewerb können alle in der Schweiz wohnhaften Personen, ausgenommen Mitarbeitende der Aduno Gruppe. Eine Barauszahlung oder ein Umtausch der Preise ist nicht möglich. Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Alle Angaben der Teilnehmenden werden vertraulich behandelt.
 

Über Adrian Kübler
Adrian Kübler (33) ist Frontmann der Schweizer Pop-Band Baba Shrimps. Ihr Debütalbum «Neon» (2014) stürmte die Schweizer Charts. Mit seinen Bandkollegen Moritz Vontobel (Drummer) und Luca Burkhalter (Keyboard) spielte Adrian über 300 Konzerte in Clubs und an Festivals. Die Band durfte Shows für «Kings of Leon» und «Kodaline» eröffnen. 2017 veröffentlichte sie «Road to Rome». Das Album stieg auf Platz 6 der Schweizer Charts. Das Lied «Hurry Hurry» wurde von SRF zur Hymne der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang erkoren. Ausserdem wird der Baba-Shrimps-Sänger als «Adrian Tacchi» diesen Sommer erstmals Lieder in Mundart veröffentlichen. Der erste Single-Release heisst «Zimmer».

Kategorie:

kultur, story, tipps

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