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Faszination Fotografie

Text: Lena Grossmüller / Fotos: Ornella Cacace / Video: Safak Avci

In Zeiten von Instagram und Co. ist Fotografieren mehr denn je zur Ausdrucksform geworden. Fotos halten nicht nur Momente fest, die wir nicht vergessen möchten, sondern sind zur Spiegelung des eigenen Lebens geworden. Doch worauf können Sie achten, um gute Fotos zu machen? Fotografin Raphaela Pichler verrät Ihnen einfache Tipps und Tricks.

Was sind die wichtigsten Grundregeln, um gute Fotos zu schiessen?
Das Wichtigste ist, dass man sich auf das Objekt oder die Person konzentriert, die man fotografieren möchte. Nicht nur den Auslöser drücken, sondern schauen, dass man genau den einen Moment erwischt, der Emotionen weckt und etwas Ehrliches hat.  
 
Heute werden viele Bilder mit dem Smartphone gemacht. Was muss man dabei beachten?
Wichtig sind vor allem die Lichtverhältnisse. Grundsätzlich ist es für Handykameras einfacher, helle Objekte zu erfassen. Hier lohnt es sich, auch mal die Position zu wechseln und zu schauen, welche neue Stimmung entsteht. Detailaufnahmen oder Tiefenschärfe sind mit dem Smartphone nur schwer hinzubekommen. Mittlerweile hat Apple zwar einen Porträtmodus eingeführt, aber das wirkt künstlich, das würde ich nicht empfehlen. Insgesamt eignen sich Smartphones natürlich super für Momentaufnahmen. Man hat dieses kleine Gerät einfach immer dabei und die Bildqualität ist für diese Zwecke gut.
 
Haben Sie Tipps und Tricks für Selfies?
Das Licht sollte möglichst gleichmässig von vorne kommen, damit alle Personen ähnlich beleuchtet sind. Bloss nicht von oben, sonst gibt es unschöne schwarze Schatten unter den Augen und der Nase. Praktisch sind spezielle Smartphone-Lichter, zum Beispiel von Lumee.

Was ist speziell für Nachtaufnahmen, zum Beispiel am 1. August oder im Ausgang, zu beachten?
Das sind schwierige Motive, für die es Übung braucht. Bei der Spiegelreflexkamera ist es sicherlich hilfreich, ein Stativ zu verwenden. Vielleicht noch einen Fernauslöser, damit man die Kamera nicht berühren muss. Bei Partys ist es noch schwieriger, hier würde ich voll reinblitzen und diesen Look als Stilmittel benutzen.
 
Was ist ein einfaches Stilmittel für spannende Bilder?
Das Spiel mit Schärfe und Unschärfe ist sicher gut. Dafür arbeitet man zum Beispiel mit einem kleinen Blendenwert, der das fokussierte Objekt scharf zeigt und das Drumherum verschwimmen lässt. Mit dem Handy lässt sich diese Tiefenschärfe allerdings nur schwer umsetzen. Manchmal sind ungewöhnliche Perspektiven, die spannende Fluchtpunkte schaffen, ein gutes Mittel. Ich arbeite viel mit Reflektoren, das ergibt immer sehr schöne Lichtsituationen. Man kann dafür auch ein weisses Blatt oder andere Objekte verwenden, die das Licht reflektieren. 
 
Welche Computerprogramme eignen sich für Hobbyfotografen und was sind die wichtigsten Korrekturen?
Als Fotografin arbeite ich viel mit der Adobe Creative Suite, vor allem mit Photoshop. Das ist natürlich ein komplexes Bildbearbeitungsprogramm, aber ich finde es auch für Hobbyfotografen geeignet. Einfache Funktionen wie beispielsweise die Gradationskurve, die dem Bild mehr Kontrast gibt, sind auch für Einsteiger interessant. Ausserdem gibt es so viele gute Tutorials auf YouTube, von denen man lernen kann. Die wichtigsten Korrekturen sind für mich Weissabgleich, Kontrast und Farbton bzw. Sättigung – auch dazu gibt es wunderbare Tutorials.
 
Stichwort Filter: Wo sehen Sie Vor- und Nachteile? Welchen können Sie empfehlen?
Manche sind sicher sehr nützlich, sie geben mehr Kontrast oder lassen Hauttöne weicher aussehen. Aber es ist ein Missverständnis, zu glauben, dass Fotos mit einem Filter immer einen Mehrwert erhalten. Vielmehr lässt das alle Bilder gleich aussehen, daran hat man sich irgendwann auch sattgesehen. Spannend finde ich hingegen die Gegenbewegung, die durch den Filtertrend entstanden ist. Den Hashtag #nofilter beispielsweise gibt es bei Instagram schon seit der ersten Stunde. Das ist irgendwie eine Hassliebe.
 
Wie kann ich mein Auge für gute Fotos schulen und wo finde ich gute Inspiration?
Am besten ist es, bewusst durchs Leben zu gehen, gut zu beobachten und sich immer zu fragen: Was gefällt mir und warum? Das hört sich jetzt sehr poetisch an, aber im Grunde stimmt es. Natürlich hilft es auch, wenn man sich Magazine, Bilder oder Ausstellungen anschaut und sich hier inspirieren lässt. Wenn ich ein konkretes Motiv suche, bin ich vor allem online unterwegs: Mit Pinterest, Instagram oder auch der Google-Bildersuche lässt es sich sehr effizient und präzise suchen.

Sie haben sich auf Porträtfotografie spezialisiert. Was braucht es dafür?
Ganz klar: Die Person muss sich wohlfühlen. Es nützt nichts, jemanden zu fotografieren, der unzufrieden mit sich und der Situation ist. Ein Trick ist, die Hände in die Hosentaschen zu stecken oder sogar zu verschränken. Dadurch fühlt sich der Porträtierte gehalten, es verleiht eine selbstbewusstere Ausstrahlung. Viele Menschen sehen ausserdem gut aus, wenn sie den Körper leicht abdrehen. Wenn man zu Hause ein Porträt machen möchte, ist das Licht natürlich wieder sehr wichtig. Am besten sucht man sich einen Ort nah am Fenster, an dem man Bewegungsmöglichkeiten für verschiedene Perspektiven hat.
 
Wie wichtig ist technisches Wissen über die Kamera?
Bestimmte Parameter sollte man kennen, um entsprechend auf Situationen reagieren zu können. Das hilft vor allem, um sich mehr auf das Foto und die Komposition zu konzentrieren. Heute kann man jedes Bild auf dem Display anschauen, das ist toll, weil man gleich bei der nächsten Aufnahme andere Einstellungen austesten kann.

Kleines Fotolexikon
ISO – Was in der analogen Fotografie für die Filmempfindlichkeit stand, steht in der digitalen Welt für die Verstärkung des Bildsignals. Bei einem höheren ISO-Wert kann man auch mit wenig Licht und kurzen Belichtungszeiten fotografieren, dafür nimmt das Bildrauschen zu. Bei einfacheren Apps und Kameras wird der ISO-Wert automatisch angepasst.
 
Blende – Mit ihr wird der Lichtdurchlass geregelt. Zusammen mit der Belichtungszeit garantiert sie die richtige Belichtung des Bildes. Die Blende ist auch ein Gestaltungsmittel: Bei geöffneter Blende lassen sich mittels geringer Tiefenschärfe unwichtige Bildteile im Vorder- oder Hintergrund unscharf abbilden. Einfache Kameras und viele Smartphones haben eine fixe Blende, sodass dies nicht geht.
 
Brennweite – Das ist der Abstand zwischen der Objektivlinse und der Aufnahmeebene der Kamera. Je grösser die Brennweite, desto stärker wird das Motiv vergrössert. Das sogenannte Normalobjektiv hat eine Brennweite, die ungefähr dem Blickwinkel unseres Auges entspricht. Weitwinkel haben einen entsprechend grösseren Winkel, Teleobjektive einen engeren.
 
Belichtungszeit – Sie gibt an, wie lange der Kameraverschluss geöffnet ist. Mit sehr kurzen Belichtungszeiten, etwa 1/4000 Sekunde, lassen sich Bewegungen, zum Beispiel eines Wasserstrahls, einfrieren. Mit langen Belichtungszeiten kann man bewusst Bewegungsunschärfe ins Bild bringen, braucht dann aber in der Regel ein Stativ und muss den Selbst- oder Fernauslöser betätigen.
 
Weissabgleich – Damit ist die Abstimmung der Digitalkamera auf die jeweilige Lichtart gemeint. Häufig nimmt die Automatik den Weissabgleich vor, teilweise kann man zwischen Vorgaben wie «Tageslicht», «bedecktem Himmel», «Glühlampe» oder «Neonlicht» wählen. Wer es ganz genau haben will und kann, nimmt den Weissabgleich manuell vor.
 
RAW – Viele Kameras und inzwischen auch Smartphones bieten die Möglichkeit, Bilder nicht nur im Standardformat JPG abzuspeichern, sondern auch im kameraeigenen Rohformat RAW. Wer mehr aus seinen Bildern rausholen und sie am Computer bearbeiten möchte, wählt RAW. Doch Vorsicht: Jedes RAW-Bild muss zwingend bearbeitet werden. Wer eine grosse Speicherkarte hat, stellt die Kamera am besten so ein, dass beide Formate gleichzeitig gespeichert werden.

Analoge Fotografie liegt derzeit wieder im Trend. Ist dies auch für Hobbyfotografen empfehlenswert?
Ja, absolut! Analoge Fotografie hilft dabei, genau hinzuschauen. Man kann maximal 36 mal abdrücken und das war’s. Ich denke, gerade diese Fokussierung und der handwerkliche Aspekt sind Gründe, warum analoge Fotografie gerade ein Revival erlebt. Es hat etwas sehr Meditatives. Mittlerweile gibt es auch viele Gemeinschafts- oder Kulturzentren, die öffentliche Dunkelkammern anbieten, in Zürich zum Beispiel die Photobastei.

Welche Kamera eignet sich für Einsteiger?
Wenn man es mit dem Fotografieren ernst meint, ist es sinnvoll, direkt mit einer Spiegelreflexkamera zu starten. Es kommt natürlich darauf an, was man möchte: Wenn man viel unterwegs ist, macht ein leichteres Modell Sinn. Wer noch unsicher ist, der kann sich Kameras leihen und ausgiebig testen, zum Beispiel im Kulturbüro.
 
Was gehört in die Basisausrüstung eines Hobbyfotografen?
Eine Kamera, mindestens ein gutes Objektiv und ein Stativ. Ich würde wirklich empfehlen, in ein gutes Objektiv zu investieren – das ist das Herzstück der Kamera. Equipment kauft man am besten beim Fachhändler ein. In der Schweiz ist Light & Byte eine gute Adresse.

Fotografin Raphaela Pichler
Raphaela Pichler ist freiberufliche Fotografin mit Schwerpunkt Porträt und Beauty. Aufgewachsen in Rupperswil im Aargau, begann sie mit 16 Jahren eine Lehre als Fotofachangestellte und absolvierte anschliessend eine Fotografenlehre in Zürich. Mittlerweile arbeitet die 35-Jährige regelmässig für die NZZ sowie für verschiedene Modehäuser wie BOSS oder Jelmoli. In ihrem privaten Projekt CURRENCY setzt sie sich wöchentlich in wechselnden Stylings auf einem Magazincover in Szene, welche sie auf ihrer Website und Instagram veröffentlicht. Mehr Informationen zu Raphaela Pichler und ihrer Arbeit unter: www.raphaelapichler.ch
 

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Den Einkauf von Fotoequipment können Sie in Online-Shops wie zum Beispiel Light & Byte, Brack, PCP und Photo Vision bequem mit Ihrer Kredit- oder PrePaid-Karte von Viseca bezahlen. Viele Apps, wie beispielsweise Instagram, sind kostenlos; für kostenpflichtige Apps steht bei der Anmeldung in den entsprechenden Stores die Kreditkarte als Zahlungsmethode zur Auswahl. Bei Bezahlung mit Ihrer Viseca Karte profitieren Sie zudem von verschiedenen Vorteilen. Die Bestpreis-Garantie* erstattet Ihnen die Preisdifferenz zwischen dem mit Ihrer Viseca Kredit- oder PrePaid-Karte bezahlten Artikel und einem identischen Angebot, sollten Sie dieses innerhalb von zwei Wochen bei einem anderen Schweizer Händler günstiger entdecken. Ausserdem profitieren Sie von der Garantieverlängerung*. Mit dieser verlängert sich der Garantieschutz von elektronischen Neugeräten, die Sie mit Ihrer Viseca Silber- oder Gold-Kreditkarte bezahlt haben, automatisch um weitere 12 bzw. 24 Monate. Inhaber einer Viseca Gold-Kreditkarte dürfen sich ausserdem über die Einkaufsversicherung freuen, die Einkäufe in den ersten 30 Tagen nach dem Kauf gegen Raub, Diebstahl, Zerstörung oder Beschädigung absichert.
 

* Massgebend sind in jedem Fall die Allgemeinen Versicherungsbedingungen des jeweiligen Versicherers. Detaillierte Informationen unter www.viseca.ch

Kategorie:

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