Story

So starten Sie gut vorbereitet ins Abenteuer Roadtrip

Text: Lena Grossmüller, Fotos: Peter Hauser, Video: Stephan Huwyler

Einfach auf und davon, das dachten sich Martina Zürcher und Dylan Wickrama vor über zwei Jahren, als sie ihre Wohnung kündigten und beschlossen, von nun an in einem Campervan zu leben und die Welt zu bereisen. Die beiden erfahrenen Abenteurer verraten Ihnen im Interview persönliche Empfehlungen und Tipps, damit auch Sie einen unvergesslichen Roadtrip erleben können.

Was sollten unsere Leser für ihren Roadtrip unbedingt einpacken?
Haushaltspapier! Wir verwenden es vor allem, um unser Geschirr zu säubern, damit wir anschliessend weniger Wasser zum Spülen verbrauchen. Wir haben ausserdem eine Menge Gewürze dabei, damit man Gerichte ohne viel Aufwand verfeinern kann. Unbedingt mitnehmen sollten Sie auch eine starke Taschenlampe, falls der Strom mal ausfällt.
 
Wie funktioniert die tägliche Hygiene an Bord?
Eigentlich ganz einfach: Wir haben einen Wasserboiler, der am Motorkühlkreis angeschlossen ist. So können wir abends draussen heiss duschen. Wenn es im Winter sehr kalt ist, nutzen wir die Duschen an Raststätten oder in öffentliche Bädern. Für das WC gilt Ähnliches. Wir haben zwar eine Chemietoilette an Bord, aber da die Entsorgung des Inhalts umständlich ist, nutzen wir sie nur in Ausnahmefällen. Das einzige, was wir nicht an Bord machen können, ist Wäsche waschen. Dafür gehen wir meistens in einen Waschsalon.
 
Einfach losfahren oder die Route planen – was ist empfehlenswert?
Losfahren! Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es schöner ist, sich Zeit zu lassen und spontan anzuhalten, falls wir etwas Interessantes entlang der Strasse sehen. Es ist gerade diese Freiheit, die wir am Leben im Van so geniessen und nur empfehlen können. Worüber wir uns allerdings im Voraus informieren, sind Visa- und Einreisebestimmungen für die Länder, die wir bereisen möchten. Und natürlich haben wir auch ein Navigationsgerät, das uns leitet.

Allenfalls Tipps, wie man am besten Pausen und lange Strecken plant?  
Das Praktische ist: Bett und Küche haben Sie immer dabei. Wer müde ist, kann spontan einen Power Nap oder eine Kaffeepause machen. Unser Tipp: Wenn es regnet, mehr Kilometer machen, damit man bei schönem Wetter einen Halt machen und mehr Zeit draussen verbringen kann.
 
Wie schwierig ist es überhaupt, ein Wohnmobil zu fahren?
Überhaupt nicht schwierig, nur gewöhnungsbedürftig. Voraussetzung dafür ist ein ganz normaler Schweizer Führerausweis, Klasse B, mit dem Sie Fahrzeuge bis zu 3,5 Tonnen fahren dürfen. Unser Van wiegt 2,8 Tonnen. Ansonsten gibt es ein paar Punkte zu beachten. Beispielsweise sollten Sie vor der Abfahrt alles gut verstauen. Auch wirkt Seitenwind kräftiger auf ein Wohnmobil als auf ein kleines Auto, daher müssen Sie das Tempo reduzieren. Parken kann ebenfalls zur Herausforderung werden, da Sie mit einem Hochdach nicht in alle Parkhäuser passen.

Gut zu wissen: Nützliche Tipps für den Roadtrip

1.

Wenn Sie schnell und einfach einen Platz für Ihr Wohnmobil finden und nicht im Stau stehen wollen, reisen Sie ausserhalb der Hauptsaison.

2.

Nehmen Sie einen Zweitschlüssel mit, um sich nicht unbeabsichtigt auszusperren.

3.

Fahren Sie über Landstrassen und erleben Sie so interessante Gegenden.

4.

Bei Sturm sollten Sie Ihr Fahrzeug besser im Freien und ja nicht im Wald parkieren. Herunterfallende Äste sind gefährlich und können das Wohnmobil beschädigen.

5.

Für Roadtrip-Einsteiger eignet sich Skandinavien sehr gut. Dort dürfen Sie überall jeweils eine Nacht campieren.

6.

Auf Schweizer Pässen dürfen Sie frei campieren, wenn es kein Hotel gibt.

7.

Im Winter müssen Sie Ihre Reise gut planen, da die meisten Campingplätze dann geschlossen sind. Aber ein Roadtrip im Winter hat seinen besonderen Reiz.

8.

Kleben Sie ein Post-it mit der Höhe Ihres Fahrzeugs auf die Armatur. So wissen Sie, ob das Parkhaus oder der Tunnel wirklich passt und erleben keine bösen Überraschungen.

Wie ernährt man sich als Roadtripper?
Gar nicht so anders, als man vermuten mag. Wir kaufen immer frisch ein, am liebsten auf einem lokalen Markt an dem Ort, wo wir gerade sind. Wichtig ist, nicht zu viel einzukaufen, weil es nicht viel Platz für die Lagerung gibt. Auch unsere Arbeits- und Ablagefläche ist begrenzt, daran mussten wir uns erstmal gewöhnen. Wenn wir etwas kochen, das starke Gerüche entwickelt, bereiten wir es auf unserem mobilen Gaskocher draussen zu – sonst riecht der ganze Van drei Tage lang beispielsweise nach Curry. Ansonsten machen wir alles wie immer. Wir haben sogar schon mal Freunde zum Essen zu uns eingeladen, das ging wunderbar!
 
Nicht überall darf mit dem Wohnmobil in der Natur campiert werden. Woher weiss ich, ob es erlaubt ist?
Leider gelten für jedes Land andere Regeln: Auf Schweizer Pässen und oberhalb der Baumgrenze (ca. 1 800 bis 2 000 Meter) ist campieren grundsätzlich erlaubt, in Skandinavien darf man überall in der Natur campen, zumindest für eine Nacht. In Spanien und Italien ist Wildcampen gänzlich verboten, es sei denn, Sie fragen den Grundstückbesitzer vorab um Erlaubnis. Ansonsten gibt es ein paar einfache Faustregeln: Auf Verbotsschilder achten, nicht im Fahrverbot halten und was uns persönlich sehr wichtig ist: Keinen Abfall rumliegen lassen. Wenn Sie auf der sicheren Seite sein wollen, finden Sie im Internet gut brauchbare Übersichtsseiten, beispielsweise www.bergzeit.ch und www.park4night.com.
 
Apropos Abfall: Wo leeren Camper unterwegs die Chemietoilette? Und wo wird das Frischwasser gebunkert?
Für die Chemietoilette können wir die Website www.bordatlas.de empfehlen, auf welcher Entleerungsstationen für ganz Europa eingezeichnet sind. Die meisten Campingplätze bieten so eine Infrastruktur ebenfalls an. Genauso wichtig ist allerdings die Versorgung mit Frischwasser. In Europa gibt es an jeder Tankstelle Wasser zum Abfüllen, das ist sehr praktisch. Doch gerade im Winter sind viele Wasserhähne abgestellt. In diesem Fall empfehlen wir Ihnen, zusätzliche Wasserkanister mitzunehmen.

Was ist die grösste Herausforderung, wenn man für längere Zeit in einem Wohnmobil lebt?
Das Leben zu zweit kann auf engstem Raum für viele eine Herausforderung sein. Wir lieben es allerdings, so zu leben, und sehen darin viel mehr Freiheiten und Vorteile. Ein Vorteil ist zum Beispiel, dass wir dadurch unsere Freunde in ganz Europa öfter sehen als früher. Vor allem bleiben wir dann nicht nur für einen Kurzbesuch, sondern campieren gleich für ein paar Tage bei ihnen vor der Haustür. Und für uns ist glücklich unterwegs zu sein das Wichtigste. So realisieren wir immer wieder unseren Traum.
 
Wie schützt man sich am besten vor Einbrüchen?
Wir haben keinen Tresor oder besondere Schlösser. Wenn wir den Van für längere Zeit verlassen, achten wir darauf, keine Wertsachen vorne in der Fahrerkabine liegen zu lassen und im hinteren Bereich die Vorhänge zuzuziehen. Nachts treffen wir ausserdem noch ein paar besondere Sicherheitsvorkehrungen: Wir legen den Schlüssel immer an den gleichen Ort. Zudem wird der Fahrersitz frei geräumt und wir parken in Fahrtrichtung, sodass wir im Notfall direkt losfahren können, falls wir uns durch Einbrecher bedroht fühlen sollten. Zum Glück mussten wir das aber noch nie!
 
Wie zahlt man am besten auf Reisen?
Wenn wir im Ausland unterwegs sind, haben wir immer eine Kreditkarte dabei – das ist ein Muss! Gerade in Skandinavien ist es sehr einfach, damit zu zahlen, auch an kleinen Marktständen oder in Cafés. Etwas Bargeld haben wir natürlich auch immer dabei, in Europa ist dies dank des Euros sehr einfach. Wir nutzen unsere Kreditkarte aber auch für einen ganz anderen Zweck: Online-Shopping. Dadurch, dass wir so viel unterwegs sind, bestellen wir viel online, vor allem Kamera-Equipment oder Ersatzteile für den Van. Die Pakete lassen wir dann jeweils zu Freunden schicken – und können die Abholung gleich noch mit einem Besuch verbinden.

Nach mehr als zwei Jahren Roadtrip: Was ist die grösste Erkenntnis?
Man braucht weniger, als man denkt. Vor allem Kleidung: Wir hatten zu Beginn 29 T-Shirts dabei, doch wirklich getragen haben wir nur eine Handvoll. Ab und zu mal ausmisten ist sehr sinnvoll – sogar in einem Wohnmobil.

Über Martina Zürcher und Dylan Wickrama
Martina Zürcher und Dylan Wickrama lernten sich vor sieben Jahren in Indien kennen, wo die Bernerin gerade ein Auslandssemester absolvierte und Dylan auf seiner dreieinhalbjährigen Motorrad-Weltreise unterwegs war. Nach seiner Rückkehr zogen die beiden zusammen und veröffentlichten das Buch «Am Ende der Strasse» über Dylans spektakuläre Reise. Im April 2016 beschlossen sie, die nächste Reise anzutreten: Sie kündigten ihre gemeinsame Wohnung, bauten ihren Van um, heirateten und leben seitdem im Van. Martina, die während mehrerer Jahre Chefredaktorin beim Schweizer Reisemagazin Transhelvetica war, arbeitet als freischaffende Reisejournalistin, Dylan als Vortragsreferent. Gemeinsam leiten sie auch Motorradreisen, zum Beispiel nach Sri Lanka. Am 25. Oktober 2018 berichten sie in ihrem neuen Vortrag «Vanlife: Moderne Nomaden» über ihre Erfahrungen zum Alltag im Van.

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