Story

Der Traum vom Fliegen

Text: Lena Grossmüller / Fotos: Ornella Cacace / Video: Safak Avci

Was machen Piloten eigentlich, wenn der Autopilot fliegt? Und was ist ihr Geheimrezept gegen Jetlag? SWISS-Pilot Alex Borer hat MyCard mit ins Cockpit genommen und gewährt Ihnen einen exklusiven Einblick hinter die Kulissen.

Die wichtigste Frage zuerst: Was ist Ihr bestes Mittel gegen Jetlag?
Die besten Erfahrungen habe ich über die Jahre damit gemacht, aktiv zu sein. Also, wenn ich morgens in New York ankomme, gehe ich meistens noch ins Fitnessstudio oder joggen. Aktivitäten bringen mich recht schnell in die jeweilige Zeitzone rein. Was ich nicht empfehlen würde, ist, krampfhaft gegen die Müdigkeit anzukämpfen. Der Jetlag ist für uns Piloten allerdings das kleinere Übel, anstrengender ist der Nachtflug nach Hause. Da muss man wirklich eine ganze Nacht wach sein.

Was ist die grösste Herausforderung des Fliegens?
Ich denke, die grösste Herausforderung ist es, dass man auch mit grosser Erfahrung nicht in Routinen verfällt und dass man immer und überall Sicherheit gewährleisten kann. Wir arbeiten wirklich hart daran, für alles gewappnet zu sein und in jeder Situation das Richtige zu tun. Es gibt zum Beispiel viermal im Jahr einen Simulator-Check für uns Piloten, einmal pro Jahr fliegt ein Instruktor auf der Strecke mit.

Warum sind Sie Pilot geworden?
Schon als kleiner Junge war meine Begeisterung für Flugzeuge gross. Das steigerte sich noch mehr, als ich einen Teil meiner Jugend in Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo verbrachte. Da mussten wir häufig mit dem Flugzeug über die Wüste fliegen: Diese Landschaft, diese Freiheit, die man über den Wolken hat – das hat mich extrem fasziniert! Ausserdem liebe ich es zu reisen, fremde Kulturen und Orte zu entdecken. Genau dieser Mix aus Reisen und Fliegen gefällt mir an diesem Beruf so gut.

Wie halten Sie sich für das Fliegen fit?
Fitness ist ein wichtiges Thema. Ich spiele aktiv Fussball und Volleyball, ich gehe viel joggen oder rudern. Man braucht schon eine gute körperliche Verfassung, damit man stundenlang in dieser Röhre sitzen kann. Mental ist für mich wichtig, dass ich ein gefestigtes Familienleben habe und Kraft aus der Beziehung zu meiner Frau und meiner Tochter schöpfen kann. Die Balance zwischen Beruf und Sozialleben ist als Pilot nicht ganz einfach, aber für das eigene Wohlbefinden sehr wichtig.  

Wie wichtig ist die Ernährung?
Sehr wichtig. Eine ausgewogene und möglichst leichte Ernährung hilft dabei, während einem 12-Stunden-Flug nach Los Angeles fit und konzentriert zu bleiben. Ich esse ausserdem nie Meeresfrüchte vor einem Flug, denn wenn die mal nicht gut waren, macht das relativ schnell fluguntauglich. Eine weitere wichtige Regel, die wir bei SWISS haben: Kapitän und Co-Pilot essen auf einem Flug nie dasselbe. Denn wenn ein Menü verdorben ist, kann zumindest der andere noch sicher fliegen.

Wann wird der Autopilot eingesetzt und was machen Sie während dieser Zeit?
Das werde ich immer wieder gefragt. Vielfach hat man den Eindruck, man drückt einfach einen Knopf und dann geht alles von alleine. Dabei ist es so, dass wir Piloten alle Parameter, wie zum Beispiel Flughöhe oder Kursänderungen in den Autopiloten eingeben und permanent überwachen müssen. Die Hauptarbeit in dieser Zeit ist es aber, zu funken und mögliche Flugverläufe im Blick zu haben. Start und Landung werden im Normalfall übrigens immer von Hand geflogen.

Wie haben sich Ihre Aufgaben durch den technischen Wandel verändert?
Sehr stark. Man kann sagen, dass die tägliche Routine in modernen Flugzeugen einfacher geworden ist und vor allem auch sicherer. Man hat mehr Instrumente für die Sicherheit an Bord – das gab es früher nicht. Aber wenn etwas nicht funktioniert, ist es viel komplexer, in die Systeme einzugreifen.

Stichwort Turbulenzen: Was können Sie tun, damit der Flug für Ihre Gäste so angenehm wie möglich wird?
Hierfür muss man wissen, dass es zwei Arten von Turbulenzen gibt: einerseits wetterbedingte Turbulenzen, die beispielsweise durch Wolken und Gewitter verursacht werden. Diese erkennen wir auf dem Wetterradar und versuchen sie grosszügig zu umfliegen. Die andere Art sind so genannte Clear Air Turbulences, sprich Turbulenzen, die durch Jet Streams, also Starkwindbänder, in klarer Luft entstehen. Hier versuchen wir, entweder darüber oder darunter zu fliegen. Leider ist das nicht immer möglich, zum Beispiel, wenn das Flugzeug zu schwer ist und man nicht beliebig hoch fliegen kann. Natürlich ist das für die Passagiere manchmal etwas unangenehm, aber die gute Nachricht ist: Es ist absolut ungefährlich. Selbst starke Turbulenzen behindern uns technisch gesehen nicht gross.

Wenn Sie selbst Passagier sind, wo sitzen Sie am liebsten?
Natürlich möglichst weit vorne, am liebsten im vorderen Teil der Business Class! Nicht nur wegen des erstklassigen Service, sondern vor allem, weil hier die Regel gilt: Je weiter vorne man sitzt, desto weniger spürt man Turbulenzen, desto ruhiger ist der Flug.

Als Pilot sind Sie Fliegen gewöhnt. Haben Sie trotzdem Tipps gegen Flugangst?
Es gibt ja verschiedene Flugängste. Wenn man beispielsweise Höhenangst hat, dann lohnt es sich, eher in der Flugzeugmitte zu sitzen, um nicht runterschauen zu müssen. Hat man Klaustrophobie, sollte man besser am Fenster sitzen, um in die Weite sehen zu können. Häufig liegt Flugangst auch im Vertrauen zum Piloten begründet. Deshalb schauen wir bei SWISS immer, dass der Pilot beim Einsteigen in der Tür steht oder bei Turbulenzen Ansagen macht und die Passagiere nicht alleine lässt. Wenn die Flugangst sehr gross ist, würde ich zu einem Flugangst-Seminar von SWISS raten, bei dem Psychologen, Piloten und Crew-Mitglieder anwesend sind.

Merken Sie es im Cockpit tatsächlich, wenn ein Gast sein Smartphone nicht ausschaltet?
Leider ja. Man muss sich das so vorstellen: Es gibt im Flugzeug ein Leitungsnetz und das Smartphone kann mit seiner Strahlung in dieses Netz eindringen und einen Impuls abgeben. Vor allem bei Start und Landung, wenn die Handys noch in Reichweite von Antennen sind und Daten austauschen. Dieser Impuls wird von der Leitung als Fehler wahrgenommen, der Pilot erhält eine Warnung und in solchen Fällen weiss er nicht, wo das Problem liegt – das kann natürlich verunsichern. Eine falsche Warnung, die durch ein Handy induziert wurde, ist im falschen Moment einfach ein unnötiges Sicherheitsrisiko. Deshalb: Smartphones bitte immer in den Flugmodus bei Start und Landung.

Was ist für Sie als Vielflieger unverzichtbar?
Ganz klar: Feuchtigkeitscreme. Als junger Co-Pilot macht man das vielleicht noch nicht, aber wenn man öfters 12 Stunden lang in einer trockenen Umgebung sitzt, lernt man das irgendwann. Ansonsten finde ich es noch wichtig, an landestypische Kleidung zu denken. Es ist einfach wahnsinnig schade, wenn man in Bangkok einen Tempel besichtigen möchte und nur kurze Shorts dabeihat. Ausserdem lohnt es sich, vor dem Abflug noch das Wetter zu checken, um die passende Kleidung einzupacken.

Sie sind in verschiedenen Ländern unterwegs: Benutzen Sie eigentlich noch Bargeld oder nur Ihre Kreditkarte?
Ich benutze über 80% meine Kreditkarte, das ist für mich einfach am bequemsten. Natürlich kommt es immer darauf an, wo man gerade ist: Auf kleinen, lokalen Märkten zahle ich häufig noch mit Bargeld, aber in Restaurants, Hotels oder grösseren Shops nutze ich immer die Karte.

Was sind Ihre Tipps für originelle Souvenirs?  
Ich empfehle immer, Souvenirs nur von lokalen, authentischen Märkten und nicht von den typischen Touristenbuden zu kaufen – da gibt es nur überteuerte Sachen. Ich persönlich bringe gerne kulinarische Spezialitäten mit, wie zum Beispiel Caipirinha aus Brasilien: Cachaça, Limetten, Rohrzucker. Dann kann man Gäste einladen und sagen: Das habe ich heute Morgen aus São Paulo mitgebracht. Die Vollprofis für Souvenirs sind aber definitiv unsere Flight-Attendants. Die wissen wirklich weltweit, wo es die besten Sachen gibt!

Diese Flugstrecken und Flughäfen empfiehlt Kapitän Alex Borer

Flughafen Hong Kong
Es ist extrem schön, von dort abzufliegen. Mit SWISS fliegen wir meistens nachts, dann um die Inseln herum und ganz tief über der Stadt. Das ist wirklich ganz toll! Auch der Flughafen selbst gefällt mir sehr.

Flughafen Los Angeles
Der Anflug ist überwältigend! Hier lohnt es sich, auf der rechten Seite zu sitzen, da sieht man wunderbar auf Downtown und die Hollywood Hills.

Strecke Tokio–Zürich
Auf dieser Strecke fliegt man stundenlang über Sibirien, bei Tag. Das ist eine unglaubliche Landschaft, die sich da unter einem auftut. Sehr beeindruckend!

Strecke São Paulo–Zürich
Wenn man über das afrikanische Festland fliegt und am Morgen die algerische Sonne aufgeht, das ist unschlagbar!

Alex Borer
Pilot Alex Borer ist 54 Jahre alt und fliegt seit fast 30 Jahren für Swiss International Air Lines. Er lebt in Basel, ist verheiratet und hat eine 21-jährige Tochter. Seine Fliegerlaufbahn startete er Anfang der 80er-Jahre beim Militär und studierte danach Physik, bevor er die Pilotenausbildung bei SWISS fortsetzte. Als Langstrecken-Pilot absolviert er drei bis fünf Flugumläufe (Hin- und Rückflug) im Monat mit jeweils einem bis drei Tagen Aufenthalt am jeweiligen Zielort.

SWISS ist die Fluggesellschaft der Schweiz und befördert mit einer Flotte von 91 Flugzeugen jährlich mehr als 16,5 Millionen Passagiere. Heimatflughafen ist Zürich Kloten. Mehr Informationen unter www.swiss.com

Kategorie:

kultur, reisen, story

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