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Nachhaltig leben leicht gemacht: Tipps von WWF

Text: Natalie Sniatala / Fotos: Ornella Cacace / Video: Stephan Huwyler / 27.02.2019

Nachhaltiges Leben ist bewusstes Leben – doch was heisst das eigentlich? Damian Oettli, Leiter Abteilung Markets beim WWF, gibt Ihnen im Interview Antwort darauf. Zudem spricht er über praktische Tipps, die Sie bei der täglichen Ernährung, auf Reisen oder in Ihrem Zuhause leicht anwenden können.

Wie steht es wirklich um die Umwelt? Wie wird unsere Welt in 30 Jahren aussehen?
Wir verbrauchen in der Schweiz jährlich drei Mal mehr Ressourcen, als der Planet uns eigentlich zur Verfügung stellt. Irgendwann kann sich die Umwelt nicht mehr natürlich regenerieren. Wann das genau sein wird und wie unsere Welt dann aussehen wird, ist schwierig einzuschätzen. Wir können jedoch schon heute Veränderungen in der Natur feststellen: In der Schweiz schmelzen die Gletscher, die Flüsse sind zunehmend verschmutzt und das Klima verändert sich – mehr Trockenheit auf der einen Seite, mehr Regen auf der anderen. Der aktuelle Living Planet Report von WWF zeigt zudem, dass die Artenvielfalt stetig abnimmt. Bienen und andere Insekten sterben – Lebewesen, die etwa 80% unserer Nahrungsmittel bestäuben.
 
Wie lebe ich nachhaltig?
Wenn Sie jede Gelegenheit nutzen, respektvoll und achtsam zu leben. Dies sowohl gegenüber der Natur als auch gegenüber Ihren Mitmenschen und den Tieren. Nachhaltiges Leben heisst, die Grenzen unseres Planeten zu berücksichtigen und sparsam mit den natürlichen Ressourcen umgehen. Dies gelingt, indem jeder seinen ökologischen Fussabdruck reduziert. Mit dem ökologischen Fussabdruck wird diejenige Fläche auf der Erde bezeichnet, die ein Mensch verbraucht, um seinen jeweiligen Lebensstil und Lebensstandard zu halten. Auf wwf.ch können Sie mit dem WWF-Footprint-Rechner Ihren persönlichen Fussabdruck ermitteln und erhalten direkt Tipps, wie Sie ihn reduzieren können.

Die Grenzen sind überschritten: Schweizer Gewässer in Gefahr
Bäche und Flüsse bieten Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. Doch nur noch rund 20% der Schweizer Gewässer sind wertvolle Lebensräume. Deshalb setzt sich der WWF für den Erhalt und die Aufwertung der Schweizer Gewässer ein. surprize unterstützt die Schweizer Stiftung dabei! Helfen auch Sie, indem Sie surprize Punkte spenden. Jetzt informieren

Kann ich mit einem bewussten Leben Kosten sparen? Wenn ja, wie?
Klar! Als Stichwort möchte ich hier Suffizienz erwähnen. Suffizient heisst: mit weniger Ressourcen mindestens gleich zufrieden zu sein. Wenn Sie Ihren Konsum reduzieren, sparen Sie auf diese Weise Geld. Es gibt aber auch die umgekehrte Situation: Für ein Flugticket nach Paris zahlen Sie weniger, als wenn Sie sich für den umweltfreundlichen Zug entscheiden. Das schafft leider falsche Anreize.

Was schadet der Umwelt am meisten?
Die Art, wie wir uns fortbewegen, wie wir uns ernähren und wie wir wohnen.
 
Wie kann ich mich nachhaltig ernähren? Welche Labels und Lebensmittel empfehlen Sie mir und weshalb?
Am meisten wirkt sich der Konsum von tierischen Proteinen wie Fleisch, Fisch, Käse und Milch auf die Umwelt aus. Tierische Produkte sind ineffizient in ihrer Herstellung. Bevor das Endprodukt auf dem Teller landet, müssen die Tiere heranwachsen. Sie ernähren sich von Pflanzen und importiertem Kraftfutter und leben in geheizten Ställen. Darüber hinaus scheidet das Vieh Methan aus, ein Treibhausgas, das 23-mal schädlicher ist als CO₂. Der WWF empfiehlt daher, den Konsum von tierischen Proteinen zu reduzieren und mehr auf pflanzliche Ernährung zu setzen. Ausserdem sollten die Lebensmittel nicht mit dem Flugzeug transportiert werden und an der Sonne reifen. Und natürlich helfen Ihnen Labels wie beispielsweise Bio oder Demeter. Beide garantieren eine nachhaltige Produktion.

Label-Ratgeber von WWF
Damit Sie beim Einkaufen den Überblick über alle Labels bewahren, hat der WWF einen Label-Ratgeber erstellt. Sie finden ihn entweder hier oder als App für iOS und Android.

Biolebensmittel sind oft in Plastik verpackt: Wie nachhaltig sind sie wirklich?
Die Verpackung macht bei Lebensmitteln im Schnitt 1–5% der Umweltbelastung aus. Die restliche Belastung verursacht das Produkt selbst. Deshalb ist es viel wichtiger, den Fokus hierauf zu legen. Beim Bioanbau verzichten die Landwirte auf Kunstdünger und auf Pestizide, welche die Flächen belasten. Deshalb weist diese Anbaumethode eine deutlich geringere Gewässer- und Bodenbelastung auf. Übrigens kann Verpackung Produkte auch länger haltbar machen und somit Foodwaste vermeiden.
 
Was ist Foodwaste und was kann ich dagegen tun?
Laut einer Studie von WWF und foodwaste.ch geht in der Schweiz ein Drittel aller Lebensmittel verloren, das ist Foodwaste. Der Verlust startet auf dem Feld, wenn die Lebensmittel die Qualitätsstandards nicht erreichen. Beispielsweise können Kartoffeln, die zu klein, zu gross oder zu unförmig sind, nicht verkauft werden. Später im Supermarkt müssen Nahrungsmittel entsorgt werden, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben. Grosse Lebensmittelverluste fallen zum Schluss bei den Endkonsumenten an – etwa 45%. Hier können Sie Einfluss nehmen: Planen Sie Ihre Mahlzeiten und machen Sie sich eine Einkaufsliste. Lassen Sie sich zudem nicht von 2-für-1-Aktionen auf Frischprodukte verleiten, die Sie dann nicht konsumieren. Wenn ein Produkt das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht, werfen Sie es nicht gleich in den Abfall. Denn das Mindesthaltbarkeitsdatum bedeutet, dass das Produkt mindestens bis zum definierten Datum essbar ist. Viele Produkte können Sie weit über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus essen. Bei Fleisch hingegen gilt Vorsicht.

Welche simplen Tipps kann ich im Alltag befolgen, um meine Mahlzeiten energiesparsamer zuzubereiten?
Der wohl einfachste und bekannteste Tipp ist: Deckel drauf beim Kochen! Das spart rund 40% Energie. Ausserdem können Sie beim Backen den Ofen ruhig 10 Minuten vorher abstellen und die Restwärme zum Fertigbacken nutzen. Welche Pfanne Sie wählen oder ob Sie Gemüse dämpfen oder anbraten, spielt keine grosse Rolle. Ganz wichtig in der Küche: Testen Sie alle Elektrogeräte auf ihre Energieeffizienz. Es kann sich lohnen, die veralteten zu ersetzen. Ihre Geräte können Sie unter topten.ch testen.

Was kann ich bei Reisen in fremde Länder besonders beachten?
Wählen Sie Feriendestinationen in der Nähe, die Sie ohne Flugzeug bereisen können. Die Wahl des Transportmittels ist matchentscheidend: Flugzeuge und Kreuzfahrten sollten Sie möglichst meiden. Vor Ort gelten für Touristen dieselben Regeln wie zu Hause: bewusst konsumieren, Abfälle sachgerecht entsorgen und ÖV dem Auto vorziehen. Bitte behalten Sie im Hinterkopf: Entscheidend ist nicht das Eco-Hotel in Bali, sondern der Flug dorthin.

Welche Tipps kann ich problemlos umsetzen, um nachhaltiger zu wohnen?
Alte Gegenstände und Abfall sollten Sie korrekt in der Sammelstelle entsorgen. Zudem gelten die altbekannten Tipps wie Stosslüften statt Fensterkippen, Licht löschen sowie die Heizung nicht voll aufdrehen. Wenn Sie Ihre Wohnung einrichten und neue Möbel kaufen, schauen Sie auch in der Brocki vorbei oder noch besser: Werten Sie alte Möbel auf! Wichtig ist, dass Sie bewusst konsumieren: Setzen Sie auf Qualität statt auf Quantität, kaufen Sie nur, was wirklich nötig ist. Was ich an dieser Stelle noch anmerken möchte: Den grössten Einfluss auf die Umwelt hat noch immer die Wohnfläche pro Bewohner. Jeder zusätzliche Quadratmeter muss gebaut, unterhalten, beheizt, beleuchtet und allenfalls gekühlt werden.

Über WWF
Der WWF Schweiz ist eine Stiftung mit Hauptsitz in Zürich und Zweigstellen in Lausanne (VD) und Bellinzona (TI). Die Mission des WWF: Gemeinsam schützen wir die Umwelt und gestalten eine lebenswerte Zukunft für nachkommende Generationen. 23 kantonale Sektionen, als eigenständige Vereine organisiert, tragen zur Arbeit des WWF Schweiz bei. Unterstützen in der Schweiz rund 270 000 GönnerInnen und Gönner den WWF - weltweit wird der WWF von 5 Millionen Mitgliedern in mehr als 100 Ländern getragen. Damit ist der WWF eine der grössten Umweltorganisationen der Welt.

Kategorie:

natur, story, tipps

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